Der international anerkannte Schweizer Literaturwissenschaftler Herbert Gamper, Verfasser wichtiger früher Studien zu Thomas Bernhard und Ödön von Horváth, verstarb im Alter von 82 Jahren in Münsterlingen am Bodensee. Das wurde aus Freundeskreisen mitgeteilt.

An der Seite des Grazers Horst Zankl als Direktor und Regisseur wirkte Gamper in den 1970er Jahren am Theater am Neumarkt in Zürich als Dramaturg. In dieser kurzen Ära radikaler literarischer Theaterkunst gelang 1974 die Uraufführung von Peter Handkes "Die Unvernünftigen sterben aus"; überhaupt war der Spielplan des Hauses jungen österreichischen Autoren wohlgesinnt. Gamper veröffentliche 1977 eine erste Chronologie und Analyse des dramatischen Schaffens von Thomas Bernhard sowie im Jahr 1987 als Privatdozent für Theaterwissenschaft an der Universität Zürich ein Buch über "Horváths komplexe Textur", in dem er Elemente der Symbolik und Zahlenmagie in dessen frühen Stücken entschlüsselte. Als Rezensent des Theater- und Literaturbetriebs arbeitete er unter anderem für die "Schweizer Theaterzeitung" und für "Theater heute".

Ein Kenner der österreichischen Dramatik

Auch seine kritische Beschäftigung mit den Dramen von Wolfgang Bauer, Gerhard Roth und Gert Jonke machten Gamper zu einem beharrlichen Vermittler neuer österreichischer Literatur in der Schweiz. Österreich verfolgte ihn bis in den Tod: Er starb an einem 12. Februar wie Thomas Bernhard in derselben Klinik am Bodenseeufer wie Udo Jürgens.