Der Schauspieler Helmut Frauenlob sammelt gerade seine ersten Erfahrungen als Kabarettist. Wer seinem Solodebüt "Der gute Mensch" beiwohnt, merkt: Der Mann hat wirklich Spaß dabei, was er tut. Und nicht nur das. Frauenlob spielt sein Programm mit viel Energie. Die wird er auch brauchen, wenn er sich in der Szene behaupten will. Sein abendfüllendes und dabei durchdachtes Programm ist schon einmal ein guter Anfang.

Frauenlob gibt sich als depressiver 30-Jähriger. So depressiv, dass seine Therapeuten am Verzweifeln sind. Er selbst beschreibt sich als faulen Hypochonder. Denn bei kleinsten Anzeichen einer Erkrankung fehlt ihm sogar die Energie für einen Gang zum Arzt. Eine entsprechende Diagnose jedoch ist schnell gegoogelt: Krebs. Perfekt! Da freut sich der Hypochonder. Ebenfalls pudelwohl fühlt er sich bei den anderen Themen, die an diesem Abend gestreift werden: Asyl, Terror, Nichtraucherschutz - und hinter jeder Ecke lauert eine Demo. Da kann man es ja nur mit der Angst zu tun bekommen.

Thematisiert werden auch der Konsumwahn und die Doppelmoral der "kaufenden Konzern-Sklaven". Wenn etwa italienische Erdbeeren auf südamerikanische Bananen treffen oder Lederschuhe auf Plastiktreter, wird der Besucher der Vorstellung im Theater am Alsergrund auch mit seinem eigenen Handeln konfrontiert. Und muss sich die Frage stellen, ob er selbst eigentlich ein guter Mensch ist, der tatsächlich entsprechend unseren moralischen Vorstellungen handelt. Die Antwort darauf kann schon wehtun. So, wie es auch gutes Kabarett manchmal tut.