Bruno Ganz erhielt den Iffland-Ring von Josef Meinrad nach dessen Tod im Jahr 1996. Der diamentenbesetzte Eisenring ist die bedeutendste Auszeichnung für deutschsprachige Schauspieler und wird per Testament vom jeweiligen Träger auf Lebenszeit an den würdigsten Nachfolger weitergereicht. Wen hat Bruno Ganz nun vorgesehen?

Der Schauspieler ist am Samstag in Zürich im Alter von 77 Jahren verstorben. Sei dem Wochenende rätselt die Theaterwelt über den nächsten Ringträger. Zuletzt wurde bekannt, dass Ganz den Ring gerne Burg-Schauspieler Gert Voss überlassen hätte. Doch Voss ist 2014 überraschend verstorben. Ganz und Voss sind beide 1941 geboren, sie gehörten zu den Größten ihrer Zunft und arbeiteten zum Teil mit denselben Regisseuren.

Die Karriere von Bruno Ganz nahm schnell Fahrt auf, obwohl ihm der Weg zum Theater keineswegs vorgezeichnet war. Der Sohn eines Schweizer Fabrikarbeiters und einer Norditalienerin schlug sich zunächst mit diversen Jobs durch, erlernte die Schauspielerei in Abendkursen. Schließlich begann er in Bremen unter Kurt Hübner zu spielen. In den 1960er Jahren wurde in dieser Provinzbühne das deutsche Nachkriegstheater weggefegt. Regisseure wie Peter Zadek, Klaus Michael Grüber und Luc Bondy erfanden unter Hübners Ägide das Theater neu.

Der Siegeszug des Regietheaters wäre indes undenkbar gewesen ohne Schauspieler wie Bruno Ganz. Er verkörperte einen neuen Typus, sein Spiel war geprägt von Konzentration und Hingabe, die wie allergrößte Leichtigkeit wirkte. Die große Pose war nicht seine Sache, vielmehr ging es bei seinen Darstellungen darum, die Seelenlandschaften der jeweiligen Rollen zu ergründen. Er schuf glasklare Figuren, aber beließ ihnen ihr Geheimnis. Ähnlich wie bei Oskar Werner bleibt die Stimme von Bruno Ganz unvergesslich.

In den 1970er Jahren gehörte er zum Ensemble der Berliner Schaubühne, die unter Peter Stein international gefeierte Aufführungen herausbrachte ("Prinz von Homburg", 1972). Ganz war stets vorne mit dabei, wenn es darum ging, neue Wege zu beschreiten. Er blieb Peter Stein treu verbunden und folgte ihm auch bei dem etwas zweifelhaften Unternehmen des ungekürzten "Faust 1 und 2", einem 21-Stunden-Marathon. Am Burgtheater debütierte er 2003 als "Ödipus auf Kolonos". Bei den Salzburger Festspielen zählte er hingegen seit den 1970ern zu den maßgeblichen Bühnenkräften.

Weltkarriere

Ab Mitte der 1970er Jahre wirkte der Vielarbeiter zudem in zahlreichen Spielfilmen mit, auch hier hatte er es von Werner Herzog und Eric Rohmer bis zu Francis Ford Coppola mit bedeutenden Regisseuren zu tun.

Zu seinen größten Filmerfolgen gehörten wohl Wim Wenders "Der Himmel über Berlin" (1987), in dem er einen Engel verkörperte, sowie seine erschreckend authentische Darstellung von Adolf Hitler in "Der Untergang" (2004), dem umstrittenen Filmhit von Bernd Eichinger und Oliver Hirschbiegel. Anklang fand auch sein Alpöhi im Kinderfilm "Heidi" (2015). Bruno Ganz gelang auf der Bühne wie im Film eine Weltkarriere. Folgerichtig fanden sich vom "Guardian" bis zur "New York Times" Nachrufe.

Da Bruno Ganz selten Interviews gab, sich kaum über seine Weltanschauung oder seinen Kunstanspruch äußerte, gibt es wenig Anhaltspunkte für Spekulationen rund um den Nachfolger des Iffland-Rings. Bleibt er in seiner Generation und Liga, könnte Klaus Maria Brandauer gute Aussichten haben. Soll das Schmuckstück stattdessen wie eine Staffel an die jüngere Generation weitergegeben werden, die ähnlich wie seinerzeit Bruno Ganz ein neues Theaterverständnis geprägt haben, wäre Martin Wuttke ein geeigneter Kandidat, er hat mit Frank Castorf das Theater auf den Kopf gestellt. Denkbar wäre dann auch Lars Eidinger. Der Berliner Schauspieler riskiert auf der Bühne wie im Film so viel, wie kaum einer seiner Generation. Aus dem Wiener Burg-Ensemble könnte einem Nicholas Ofczarek einfallen. So oder so. Das Geheimnis wird nach der Beerdigung von Bruno Ganz gelüftet.