Tanz mit den Verdammten dieser Erde. (v. l.) Elena Todorova, Simon Jensen, Patrick Dunst, Christian Pollheimer. - © Elisabeth Gruber
Tanz mit den Verdammten dieser Erde. (v. l.) Elena Todorova, Simon Jensen, Patrick Dunst, Christian Pollheimer. - © Elisabeth Gruber

Eine schillernde Welt im Abseits entwirft der kongolesische Autor Fiston Mwanza Mujila in "Zu der Zeit der Königinmutter". Burg-Schauspieler Philipp Hauß bringt das facettenreiche Stück am Samstag, 23. Februar, im Akademietheater zur Uraufführung. Die "Wiener Zeitung" traf Autor und Regisseur bei den Endproben.

"Wiener Zeitung":Ihr Stück "Zu der Zeit der Königinmutter" spielt in einer Bar. Was interessiert Sie an diesem Schauplatz?

Fiston Mwanza Mujila:Im Kongo ist die Bar eine Arena der Gesellschaft. Das hat mit der Geschichte der Kolonialzeit zu tun, es war Afrikanern in weiten Teilen Afrikas verboten, die Getränke der europäischen Kolonialherren zu sich zu nehmen. Damals eine Bar zu betreten, dort sein Bier zu trinken, kam einem Akt der Rebellion gleich. Bis heute ist eine Bar im Kongo ein wichtiger Ort des Austausches, ein Umschlagplatz von Informationen, an dem sich Gerüchte und Wahrheiten schneller verbreiten als in den offiziellen Medien. In Wien gehe ich in ein Lokal, trinke mein Bier und keiner spricht mich an, im Kongo ist das undenkbar, man wird augenblicklich in ein Gespräch verwickelt.

Philipp Hauß: Bei der Inszenierung geht es überhaupt nicht darum, eine kongolesische Bar nachzubilden, die "New Jersey Bar" könnte genauso gut in Sibirien oder Südamerika sein. Nicht der geografische Ort ist wesentlich, vielmehr geht es um einen mentalen Raum, in dem die Geschichten der Figuren zirkulieren. In gewisser Weise wird die Bar hier zu einem Transitraum. Die Barbesucher verlassen das Lokal nicht mehr, als ob sie kein Leben außerhalb hätten. Hier drinnen verharren sie, hängen an der Vergangenheit, erzählen sich unentwegt ihre Geschichten - es sind Geschichten von Verlierern, den Verdammten dieser Erde.

Der Text bedient sich vom antiken Chor bis zum afrikanischen Märchen verschiedener literarischer Traditionen. Worauf kam es Ihnen als Autor dabei an?

Mwanza Mujila: Die Gleichzeitigkeit verschiedener Welten und Denkmodelle ist in Afrika allgegenwärtig. Ich bin in Lubumbashi geboren, auf den ersten Blick eine große Stadt mit moderner, westlicher Zivilisation, gleichzeitig existiert ein Paralleluniversum, eine Art unsichtbare Welt, in der die Logik des Westens keine Gültigkeit mehr hat, hier gelten andere Gesetze, die nichts mit europäischer Rationalität zu tun haben.

Fiston M. Mujila. - © Hilzensauer/ZV
Fiston M. Mujila. - © Hilzensauer/ZV