Die Bühne im Werk X ist raumfüllend, vom tristen Vernehmungszimmer bis zum voll ausgestatteten Bad hält das mehrstöckige Bühnenbild von Daniel Sommergruber viele Spielräume bereit. Das fünfköpfige Ensemble jagt unentwegt von einem Raum zum nächsten. Der Grundton der Inszenierung von Werk-X-Intendant Harald Posch ist Nervosität, der einzige Ruhepol ist die erstklassige Jennifer Frank in der Titelrolle. Auf dem Spielplan steht "Die verlorene Ehre der Katharina Blum".

Die Wiederentdeckung von Heinrich Bölls Erzählung ist ein Coup. Der Autor beschreibt, wie eine unbescholtene Frau wegen ihrer Freundschaft zu einem Terroristen Opfer einer Medienhetze wird. 1974 erschienen, bezog sich Bölls Pamphlet auf die RAF, doch gegenwärtige Terrorängste und Shit-Storms lassen den Stoff erschreckend aktuell wirken.

In der Bühnenfassung von Alexander Kratzer wimmelt es von Gegenwartsbezügen - von Regierungskritik bis Flüchtlingspolitik, vom 11. September 2001 bis zur Finanzkrise hechelt die 90-minütige Aufführung durch diverse Kampfzonen. Posch nimmt sich viel vor, zelebriert aber Entgleisungen, die nirgendwo hinführen, Minidramen mit Slapstickeinlagen als Showdown. Der inhaltlich interessante Ansatz geht in dem ganzen Wirbel unter.