Eine Sirene hallt. Drei Körper eilen aus dem Schatten in die Mitte, ins Licht. Retten sich auf eine Art Boje. Das Ramsch-Objekt besteht aus blauen Plastik-Tonnen, Eisen-Stangen, Holz und Seilen. "Da-nach" heißt das neue Stück der Wiener Choreografin Saskia Hölbling und ihrem Ensemble Dans.Kias, uraufgeführt im Atelierhaus der Akademie der Bildenden Künste und dort zu sehen noch bis 6. März. Seit 1995 produzierte Dans.Kias über 30 Stücke die österreichweit und international touren, zuletzt war in Wien "Things" ebenfalls im Semperdepot zu sehen.

Zwischen den Säulen des Ausstellungsraums behauptet "Da-nach" eine postapokalyptische Atmosphäre. Die düstere, abstrakte Musik von Wolfgang Mitterer nimmt über die 60 Minuten Dauer Fahrt auf, Wasserrauschen wird zu Seufzen wird zu Operngesang. Die Tänzerin Anna Hein und ihre Kollegen Ardan Hussain und Jan Jakubal erkunden das Bojen-Objekt der Bühnen- und Kostümbildnerin Gudrun Lenk-Wane. Akrobatisch und melodramatisch zu gleich, dass sie dort festsitzen und den Boden nicht berühren dürfen, das wird schnell klar. Sie schlängeln sich durch Lücken, zwängen sich zwischen Streben und strecken sich gegen die Schwerkraft.

Spektakuläre Rettungsaktion

Auch tänzerisch entwickelt sich "Da-nach" vom Langsamen ins Schnelle, vom Reduzierten ins Raumgreifende. Eine vierte Figur "watet" auf Plastikplanen über den trockenen Holzboden: Leonie Wahl tritt auf. Und wird in einer mühsam spektakulären Rettungsaktion ins Leo geholt. Die klassischen Suspense-Klänge unterstreichen eine Tanztheater-Dramatik: So tun als ob wie wenn. Und wenn so etwas nicht durchgehalten wird - bevor Wahl "watet", trägt sie die Plastikplanen an den Ort, von dem sie auftreten soll - dann wirkt das Drama halt immer ein bisschen lächerlich.

Zu viert auf der Boje ereignen sich Szenen missglückter Annäherungen, kleine Kämpfe und dann doch zärtliche Nähe. In Duos kommt es zu Hebefiguren, die Körper verschwimmen mit dem Objekt in einem Gewusel. Die vier Tänzerinnen und Tänzer agieren konzentriert, wie in sich versunken. Dann eine weitere Rettungsaktion: Die viert tasten sich über eine Leiter in Richtung Publikum. Sollen wir gerettet werden? Aber es geht um Oskar Mitterer. Mit dem kleinen Jungen Huckepack verlassen die vier das Boot. Die Apokalypse scheint überstanden.