"Im Ferienhaus zu leben, ist, wie sein Hobby zum Beruf zu machen", sagt die Tochter in Akn Emanuel Şipals ideologisch aufgeladenem Heimatstück "Ein Haus in der Nähe einer Airbase", dessen österreichische Erstaufführung am Theater Drachengasse zu sehen ist. Doch so einfach ist das mit den gelebten Träumen nicht: Der Vater der Kleinfamilie mit türkischen Wurzeln, die sich im Urlaubsdomizil ihr neues "Baba Evi" (Vaterhaus) aufbauen will, versucht, das Umland von Adana von den Vorzügen der Solarenergie zu überzeugen.

Die Mutter funktioniert das Eigenheim zur psychotherapeutischen Praxis um, scheitert jedoch bereits am Versuch, die Frauen der Gated-Community-Siedlung für ihre Dienste zu begeistern.

Die Tochter flieht vor der Eintönigkeit der neuen Eliteschule und verliebt sich in einen in der Nähe stationierten verwundeten US-Soldaten. Der Onkel schaut vorbei und liest, selbst gescheiterter Autor, seinen Verwandten ordentlich die Leviten. Am Ende kriechen die Insekten aus allen Ritzen und nehmen Besitz vom langsam verfallenden Haus der Ideale, der Vater wird überfallen und beraubt, und Baba Evi geht in Flammen auf.

Sandra Schüddekopf inszeniert die multiperspektivisch erzählte tragikomische Heimatsuche solide in goldgelben Tönen. Die vier Darsteller jagen souverän in immer wieder überraschenden räumlichen Konstellationen durch den robusten, wenn auch etwas plakativ gezimmerten Text über zerklüftete Lebensläufe und Transgenerationalitätsgeschichten ohne Ende.