In der Sekunde des Todes, so heißt es, durchlebe man das ganze Leben noch einmal. Mit dieser Frage, was sich an der Schwelle des Todes abspielt, setzt sich das Theaterstück "Falsch" (1980) von René Kalisky auf bemerkenswerte Weise auseinander. "Falsch" ist nun im Theater Nestroyhof/Hamakom in der Regie von Intendant Frederic Lion zu sehen.

Andreas Braito hat den leeren Bühnenraum als unwirklichen Transitraum gestaltet, mit kühlen Neonlichtern und viel Theaternebel, der Boden bedeckt mit schwarzem Granulat, das an Asche erinnert. In diesem elegant-surrealen Schauplatz erwarten die bereits verstorbenen Mitglieder der Familie Falsch den letzten noch lebenden Falsch, Josef, der am Beginn des Stücks auf den Straßen von New York zusammenbricht.

Die eigenwillige Familienzusammenführung in der Raum und Zeit außer Kraft gesetzt sind, mündet im Lauf der 90-minütigen Vorstellung in eine veritable Anklage: Warum hat der Vater Nazi-Deutschland nicht rechtzeitig verlassen? Vater, Mutter, Tante und der jüngste Bruder wurden Opfer des Holocausts. Josef gelang mit zwei weiteren Brüdern, gegen den Willen des Vaters, die Flucht nach New York. Doch keiner der Brüder fand in der Emigration sein Glück.

Regisseur Lion inszeniert mit starkem Formwillen, erstaunliche szenische Bilder gelingen, das achtköpfige Ensemble - darunter Franz Xaver Zach als heimkehrender Sohn und Florentin Groll als dessen Vater - spielt mit Verve. Trotz intensiver Stadttheaterbemühungen verfängt das Stück nicht wirklich, die Schicksale lassen einen seltsam unberührt. Schade.