• vom 30.07.2003, 00:00 Uhr

Bühne

Update: 08.04.2005, 11:10 Uhr

Landestheater: Andrea Breths Inszenierung von "Das weite Land"

Sprache als dissonanter Klang




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Von Christine Dobretsberger, Salzburg

Gibt es für einen ersten Eindruck eine zweite Chance? Ein Beispiel: Im Vorjahr wurde im Rahmen der Salzburger Festspiele Schnitzlers Tragikomödie "Das weite Land" in der Inszenierung von Andrea Breth auf den Spielplan gesetzt. Das kontroverse Echo, das die Premiere nach sich zog, gipfelte in der Tatsache, dass Schnitzlers Fünfakter auch heuer wieder an insgesamt elf Abenden zu sehen ist. Schließlich läuft der Kartenverkauf gut - was in diesem speziellen Fall kein Wunder ist. Denn der Hauptgrund für die divergierenden Meinungen hat einen Namen: Sven-Eric Bechtolf. Ein Schauspieler, der mit jedem Satz eine kühle Briese Nordseeluft versprüht und in die Rolle des Fabrikanten Friedrich Hofreiter genauso passt wie ein Seebär ins Sacher. Was im Grunde auch kein Problem wäre, wenn Andrea Breth diese Tatsache bewusst in ihr Regiekonzept miteinbezogen hätte und das österreichische Idiom konsequent gestrichen hätte. Das tut sie allerdings nicht. Denn das Ensemble agiert - was die Sprachmelodie betrifft - unterschiedlich. Und daran hat sich auch nichts geändert.


Denn die Wiederaufnahme von Schnitzlers Seelendrama Montagabend im Salzburger Landestheater spiegelte exakt den gleichen Eindruck wie im Vorjahr. Sobald Sven-Eric Bechtolf mit knarrender Stimme das Wort ergreift, wird die Szenerie (leider) in vielerlei Hinsicht unverständlich. Aber da ein Großteil des Festspiel-Publikums ohnehin diesen Sprachklang in sich trägt, bleibt die Frage nach einem adäquaten "Schnitzlerton" weit hinter dem Stellenwert von Verkaufsziffern zurück.

Weitaus erfreulicher ist hingegen die Leistung des übrigen Ensembles. Allen voran Corinna Kirchhoff (Genia), Elisabeth Orth (Frau Wahl), Gerd Böckmann (Hoteldirektor), Cornelius Obonya (Paul Kreindl), Johannes Zirner (Otto), Birgit Minichmayr (Erna) und Franz Josef Steffens (Albertus Rhon), die dem Theaterabend einen Hauch von Seele einflößen. Nach wie vor gelungen auch die musikalische Komponente (Elena Chernin) sowie die Bühnengestaltung von Erich Wonder.

Während via Schiebetüren gänzlich neue Räume geschaffen und eröffnet werden, bleibt die szenische Raumausnutzung nach wie vor problematisch. So ist beispielsweise die Eingangsszene (die immerhin eine halbe Stunde dauert) aus der Perspektive der rechten Seitenlogen uneinsichtig, was dazu führt, dass sich die Aufmerksamkeit in erhöhtem Maße auf die Akustik der Stimmen beschränkt. Und die ist - wie bereits erwähnt - schlecht. Womit die zweite Chance leider nur eine Bestätigung des ersten Eindrucks bleibt.



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Dokument erstellt am 2003-07-30 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 11:10:00


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