Die Uraufführung von Josef Winklers szenischer Befragung "Tintentod" rief im Vorjahr ein sehr geteiltes Medienecho nach sich. Sonntagabend stand mit der Neufassung der Uraufführung im Rahmen vom "steirischen herbst" ein Werk auf dem Programm, das vom Autor als "work in progress" verstanden wird und dementsprechend aktualisiert wurde.

Inhaltlich kreisen in "Tintentod" die Themen in erster Linie um Kindheit, Tod und Katholizismus. Eine Flut an Erinnerungsbildern, die sich in einer Endlosschleife ergießt und dementsprechend statisch anmutende Momente aufweist.

Abgefasst in Dialogform steht mit Adrian Furrer ein Winkler-Verschnitt auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses, der in seiner autobiographischen Selbstreflexion die traumatische Kindheit im Kärntner Drautal im wahrsten Sinne des Wortes erbricht und seine zum Teil morbiden Sehnsüchte unverblümt ausspuckt. Scheinbar geht es Josef Winkler in "Tintentod" darum, seinen persönlichen inneren Wahrheitskern möglichst facettenreich nachzustellen und zwischen den Polen Selbstmitleid und Ironie ein theatralisches Bild von sich selbst zu kreieren.

Dieses von vornherein etwas konstruierte Unternehmen wird auch in der szenischen Umsetzung von Tina Lanik nicht griffiger. Im Gegenteil: Ab der Halbzeit des knapp zweistündigen Abends entglitt der Regisseurin die Klammer der einzelnen Szenenabfolgen und endete in einem peinlichen Gemisch aus Seelenstrip, Schreiduellen (Liese Lyon) und konfusem Türenknallen.

Stimmig an diesem Abend war einzig und allein die schlichte Dreiteilung der Bühne (Magdalena Gut), die Winklers Lebensstationen nachspürt. Warum aus Josef Winklers konzipierten szenischen Befragung letztendlich eine Art "Sargpredigt" mit oktroyierten ironischen Momenten wurde, ist eine Frage, die vielleicht bei der nächsten Neufassung der Uraufführung gelöst wird.