Keine Frage: Der Grundtenor von "Da Ponte in Santa Fe" ist eine klassische Turrini-Konstellation. Im Zentrum steht eine um Anerkennung ringende, aber letztendlich einsame Künstlerexistenz - in diesem speziellen Fall der Mozart-Librettist Lorenzo Da Ponte. Quasi als Spiegelbild - wenn auch mit anderen Lebensvorzeichen ausgestattet - ein junges Mädchen (Dorka Duskova, genannt Dolly Delors), das nicht nur die hoffnungsfrohe Unschuld vom Lande, sondern viel mehr noch, den Inbegriff der unbefleckten Jungfräulichkeit verkörpert und, ähnlich wie der Künstler, kein einfaches Leben vor sich hat. Alle anderen Protagonisten des Stückes bilden um diese zwei Personen die zerstörerische Klammer der Umwelt, wobei lediglich dem schwarzen Garderobier Bambus Wilkinson (Axel Werner) eine Sonderstellung zukommt, der auf Grund seiner Hautfarbe ja selbst ein so genannter gesellschaftlicher Underdog ist.

Zwischen Fiktion und Fakten

Auf inhaltlicher Ebene stützt sich das Montagabend im Rahmen der Salzburger Festspiele uraufgeführte neue Turrini-Stück einerseits auf geschichtliche Eckdaten rund um Da Pontes kurioses Lebensschicksal, andererseits auf pure Fantasiegebilde. So kommt es, dass Anfang des 19. Jahrhunderts ein Saloon-Besitzer (Heribert Sasse) mitten im Wilden Westen beschließt, seine Cowboy-Trinkstube in ein Opernhaus umzuwandeln, um Operndirektor zu werden. Man gibt Mozarts "Don Giovanni", was den alten und heruntergekommenen Da Ponte auf die Idee bringt, nicht mehr im Foyer Brandy zu verkaufen, sondern vor der anwesenden, durch und durch mafiosen Opernwelt seine künstlerische Daseinsberechtigung einzufordern. Ein Ringen um späte Anerkennung, die auch einen Kurzauftritt von Mozart (Tobias Moretti) mit sich bringt, der in Banditen-Manier seine Tantiemen einfordert.

Witze und wenig Substanz

In Claus Peymanns Inszenierung spricht diese fiktive Mozart-Figur einen starken ausländischen Akzent, damit die angedachte "Pointe" - "ich bin Antisemit und Katholik, also werde ich Österreicher" - besser kommt (am 4. August springt voraussichtlich Peter Turrini für Moretti ein, der beim "Jedermann" im Einsatz ist). Dass derlei Anspielungen ein bisschen sehr billig daherkommen, gründet letztendlich in einer Textvorlage, die vielleicht als Einakter funktionieren könnte, als Schauspiel in zwei Akten aber zu dünn konzipiert ist. Denn irgendwann wird es schlicht und einfach langweilig, einen im Selbstmitleid badenden Da Ponte (Jörg Gudzuhn) zu beobachten, der sich angesichts des naiven Mädchens (Annika Kuhl) nicht mehr entscheiden kann, ob ihm sein Ruhm, oder seine pädophile Neigung wichtiger ist. Und auch die "Cowboy-Weisheit" - "entweder man wird Sängerin oder Hure" - spricht für einen etwas sehr engen

Horizont, der nur von Da Pontes Gattin (Elisabeth Schwarz) "erweitert" wird, die zusehen darf, wie ihr sabbernder Gatte die anstrebende Operndiva Dolly Delors begrapscht und mit einer selbstgebastelten Erektions-Konstruktion bedrängt. Wer derlei Späße lustig findet, wird auch am Platzpatronen-Geknalle seine Freude haben.

Dass abgesehen vom inhaltlichen Abgleiten in das Vakuum von Worten, die von keinem dramaturgischen Mantel mehr gewärmt werden, die optische Umsetzung (Bühne: Rolf

Glittenberg) sowie die akustische Lösung (musikalische "Don Giovanni"-Bearbeitung: Franz Wittenbrink) sehr gut ins Salzburger Landestheater eingepasst war, ist angesichts der ablehnenden Grundstimmung nach der Premiere schade.

Am Ende eine Kasperlnase

Viel Applaus (und einige nicht nachvollziehbare Buh-Rufe für Heribert Sasse) gab es für das wirklich glänzende Schauspielerteam. Heftige Buhrufe für den Dichter und (ebenfalls etwas unverständlich) für Claus Peymann, der dem Salzburger Publikum die Zunge und die lange Kasperlnase zeigte.