Sehr sympathisch, diese Haltung - doch in der Klassikwelt gehören Sie damit inzwischen eher zu einer Minderheit.

Je mehr ich allen möglichen Menschen aus meinem Leben erzähle, desto weniger gehöre ich doch mir. Es ist aber mein Leben, ich möchte selber erleben, was mich rührt oder beeindruckt - und dies dann mit meinem Mann, meinen Kindern und engsten Freunden teilen, nicht aber mit Unbekannten, die sich in mein Leben einloggen. Ich teile mich auf der Bühne mit, wenn ich Interviews gebe oder in eine Talkshow gehe, spreche ich offen über alles, was mir wichtig ist. Doch mein Alltag gehört mir.

In einem Interview haben Sie einmal davon gesprochen, dass jeder Künstler einen Psychologen brauche. Was rät Ihnen Ihr psychischer Beistand?

Er hört sich ohne Widerspruch alles an, was ich ihm erzähle. Meist geht es bei Menschen in meiner Branche um mangelnde Aufmerksamkeit des Publikums und die Verzweiflung, nicht wirklich verstanden zu werden. Oder sich auf der Bühne zu verbrennen, dafür aber keine Anerkennung zu bekommen. Da glaubt man nach einem Abend, man hätte einen Oscar verdient, und am Ende kriegst du eine vernichtende Kritik.

Bergen Auftritte mit Ihrem Gatten, Dirigent Karel Mark Chichon, nicht die Gefahr von Ehekrisen?

Nein, wir sind inzwischen seit 18 Jahren zusammen und vertrauen einander blind. Wir haben uns auf der Bühne kennengelernt und erleben dort als Künstler ganz besondere Momente. Wir unterstützen und ergänzen uns - wahrscheinlich ist dies auch das Geheimnis unseres Erfolges. Und nach dem Auftritt sind wir zu zweit und können die Zeit genießen - quasi ein ewig währender beruflicher Honeymoon.

Und wer hat musikalisch bei Ihnen das Sagen?

Ist das wichtig, wer den Takt vorgibt? Schon unsere Ausgangsposition ist sehr unterschiedlich: Ich stehe mit dem Gesicht zum Publikum, während Karel diesem seinen Rücken zuwendet und mit 60 Leuten so kommunizieren muss, dass ich von der Musik getragen werde. Und doch nehmen wir einander wahr: Manchmal braucht er von mir den Einsatz, manchmal muss er den Takt vorgeben.

Und wer hat zuhause das Sagen?

Das Einzige, worüber wir öfter diskutieren, ist die Kindererziehung, denn wir kommen aus zwei verschiedenen Ländern und Traditionen - Lettland und Spanien. Natürlich gibt es da einige Differenzen, doch am Ende sind wir ein Team, agieren nicht gegeneinander, sondern lösen das Problem gemeinsam. Wir sind Musiker und als solche emotionale Menschen - und wenn man am Ende wieder darüber lachen kann, finde ich Auseinandersetzungen gar nicht schlimm.

Cavalleria Rusticana

Wiener Staatsoper, 11., 15., 18. und 23. März, Karten nur noch über Warteliste

Konzerthaus, 4. Juni 19.30 Uhr,

Karten (69-184 Euro): 01/242002

Zwischen den Welten:

Mein Weg auf die großen Opernbühnen

Von Elina Garanča, Ecowin Verlag: 2019, 16,00 Euro, 255. S