Daniela Fally überzeugt als Zerlina. - © Staatsoper/Michael Pöhn
Daniela Fally überzeugt als Zerlina. - © Staatsoper/Michael Pöhn

Für den Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer ist Mozarts Größe zwar nicht messbar, ihre Wirkung jedoch feststellbar. Umgelegt auf die "Don Giovanni"-Vorstellung an der Wiener Staatsoper am vergangenen Sonntag, lässt sich ein äußerst effektiver Wirkungsgrad diagnostizieren: Aufhellend fürs Gemüt, wohltuend für die seelische Mitte und von großem Erfolg für alle Beteiligten.

Die Stärke dieser Aufführungsserie liegt in dem herrlich (zusammen)spielenden Ensemble, das einige Rollendebüts aufweist. Adam Plachetka, erstmals der Leporello im Haus am Ring, füllte die Figur des Dieners, der hin- und hergerissen ist zwischen Bewunderung und Verachtung für seinen Herren, perfekt aus. Eine überzeugende Charaktergestaltung gelang auch Daniela Fally als Zerlina, die sich lange gegen Don Giovannis (einnehmend souverän Peter Mattei) Avancen wehrte. Olga Peretyatko fand als Donna Anna eine stimmlich ansprechende Mischung aus angriffiger Rache und mildsüßer Trauer. Véronique Gens fesselte ungemein als Donna Elvira mit vokalem Ausdruck und darstellerischer Präsenz. Erfreulich konturiert und interessant präsentierten sich Jinxu Xiahou (Don Ottavio) und Peter Kellner (Masetto). Routiniert und etwas zu harmlos agierte Dan Paul Dumitrescu als Komtur.

Perfekt gelang dem Dirigenten Antonello Manacorda sein Staatsoperneinstand. Leidenschaftlich und aufmerksam lenkte er am Pult des behände (re)agierenden Orchesters die Geschicke. Manacorda sorgte mit konzentriert geführten Ensembleszenen, schönen Stimmungswechseln und guten Tempi für den nötigen dramatischen Boden in diesem kompositorischen Meisterwerk.