Das Meer bleibt allgegenwärtig: Markus Marquardt als fliegender Holländer. - © Barbara Pálffy/Volksoper Wien
Das Meer bleibt allgegenwärtig: Markus Marquardt als fliegender Holländer. - © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Die Silhouette eines Mannes von hinten, der einen unendlich lang scheinenden Tunnel in Richtung Licht durchwandert: Langsam, ganz langsam schleppt er sich vorwärts. Schon dieses erste Bild zur Ouvertüre des "Fliegenden Holländer", die vom Orchester ebenso getragen und mit ungeheuer viel Feingefühl gespielt wird, ist von bedrückender Schönheit, der man dann auch den ganzen Abend über treu bleiben wird, in dieser Premiere an der Wiener Volksoper. Denn Aron Stiehl setzt in seiner Inszenierung auf einen minimalistischen Zugang durch und durch. Er versteht es jedoch, potenzielle Langeweile durch kluge Umsetzung geradezu gänzlich auszuschalten. Den maritimen Charakter des Werks hält er aufrecht, man befindet sich entweder im Inneren eines Schiffes oder an Land mit Blick auf die Wellen. Die Meeresstürme werden durch zeitweilige Dampfergüsse erkennbar.

Nur eine Frau ist treu

Der fliegende Holländer irrt durch die Meere, ist er doch dazu verdammt bis an sein Lebensende, sollte er nicht eine Frau finden, die ihm ewige Treue schwört. Nur alle sieben Jahre darf er an Land gehen und sein Glück erneut versuchen. Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen.

Hier erwartet ihn Senta, die die Legende des Holländers kennt und durch die Vorstellung, sie selbst könnte jene Frau sein, in Verzückung gerät - zum Entsetzen ihrer Freundinnen sowie ihres Geliebten Erik. Sie ist in dieser Version ganz das Wagners Wünschen entsprechende "kernige nordische Mädchen". Das Bühnenbild (Frank Philipp Schlößmann) um sie herum gestaltet sich düster und wird durch Bilder vom Meer eingerahmt, ganz so, als hinge ihr Geist voll von Gedanken an den Verlorenen.

Schließlich kommt es zum Treffen: Der Holländer wirft einen riesigen Schatten auf Senta; sie ist gebannt. Ein starkes Bild, das zu späterem Zeitpunkt umgekehrt wird, nämlich als er sich von ihr entfernen möchte, da er hört, wie Erik sich darüber beklagt, dass sie auch ihm ewige Treue geschworen hat. Hier fällt ihr Schatten nun auf ihn, er zieht sich zurück und schließlich mündet das Ganze im selben Bild wie zu Beginn. Nur ist es nun Senta, die man von hinten beobachtet, wie sie den Tunnel hin zum Wasser beschreitet, um sich auf immer in die Fluten zu stürzen.

Abgesehen von diesen Glanzmomenten bleibt die Inszenierung relativ statisch, was aber gut verkraftbar ist, vor allem auch deshalb, weil das Ensemble eine Verlagerung des Fokus auf die Musik ohne Weiteres mitträgt. Auch das Orchester brilliert unter Marc Piollet in seiner Feinabstimmung sowohl innerhalb des Grabens als auch in Proportion zu den Sängern.

Die Stimmen sind gut aufeinander abgetönt, jeder für sich ist ein sicherer Anker im Hafen der Sangeskunst. Souverän etwa Meagan Miller als Senta, überzeugend in ihrer Strenge auch Martina Mikelić als konservative Chorleiterin, Markus Marquardt (als Holländer) und Tomislav Mužek (als Erik) harmonieren gut. Wer jedoch herausragt und damit die anderen dennoch in den Schatten stellt, ist der äußerst agile Bass von Stefan Cerny als Sentas Vater Daland, ihm gebührt völlig zu Recht der meiste Applaus am Ende dieses vielumjubelten Abends.