Der Regisseur und Dramaturg Roman Freigaßner-Hauser stemmt in der Regel jede Saison zwei Produktionen für das Theater der Jugend im Rabenhoftheater. Für die älteren Kinder hat er sich zuletzt immer wieder bei dem Versuch verzettelt, personenreiche epische Erzählungen wie "König Artus" zu entwirren.

Die Märchen für die Jüngeren geraten dafür oft vergleichsweise unterkomplex, dafür machen sie mehr Spaß, so wie auch jetzt "Das tapfere Schneiderlein".

König und Kraftlackel

In der Rabenhof-Version ist das Schneiderlein eher wohlwollend und bauernschlau als der gewiefte Hochstapler aus dem Grimm-Märchen. Sieben auf einen Streich hat es trotzdem erlegt, dass es nur Fliegen waren, will keiner hören. Auch Wildschwein, Riesen und Einhorn kommen vor, dazu ein hinzuerfundener royaler Berater namens Frunz von Furunkel, der die Königstochter heiraten will, nicht aus Liebe, sondern der Macht wegen.

Rina Juniku tänzelt in der Titelrolle mit entzückender Wendigkeit über Vero Tupys farbenfrohe Bühne, alle anderen Rollen teilen sich, von Anett Jäger in aufwändige Kostüme gesteckt, Sabrina Rupp, Bernhard Majcen und Michael Schusser. Vor allem der hier sonst auf weise, aber steife Vaterfiguren beschränkte Majcen darf sich endlich spielerisch austoben: als führungsschwacher König und trotteliger Kraftlackel. Sehr angenehm: Obwohl der fiese Frunz am Ende ausgetrickst wird, bleibt die scheinbar unvermeidliche Märchenhochzeit zwischen Prinzessin und Schneiderlein aus. Letzteres will noch die Welt sehen.