Ein Mann und eine Frau mit einem Esel und einem letzten Sack Hab und Gut. Und eine Truppe fahrender Schauspieler mit ihrem Karren, den sie selbst vergeblich zu ziehen versuchen. Die Begegnung: keine friedvolle. Dem Paar wird das Tier gestohlen und vor den Wagen gespannt. Als es sich vor den auf unsichtbaren Rädern durch das Volk rollenden Herrscher mit leerem Blick stellt und der Mann sein Klagen um den Diebstahl anstimmt, dreht sich, scheint es, die Logik der Welt.

Doch nur für einen Moment - zu schön ist sein Lamento, um es nicht wieder und wieder hören zu wollen. So lädt die Bürokratie zum zynischen Geschäft: Der Mann bekommt das Tier zurück, wenn er bleibt und immer weiterspricht. Er entscheidet sich gegen die Freiheit und für den Besitz. Die Frau aber nimmt den Esel und geht. Verlässt auf ihrem letzten, langen Weg Leinwand, Bühne und Mythos.

Mangel und Verrat

Foto: Schmidt/Odeon
Foto: Schmidt/Odeon

Getragen von einem 12-köpfigen Ensemble, das wesentlichen Anteil an der von Max Kaufmann geleiteten Inszenierung im Wiener Odeon hat, wird auf Basis der altägyptischen Erzählung vom "beredten Oasenmann" eine Geschichte von Mangel, Unrecht und Verrat erzählt. Aber auch von der Entscheidung für ein eigenverantwortliches Leben, die in diesem Falle Abschied vom dem, den es nicht mehr gibt, heißt.

Das ist nicht durchwegs lesbar und kippt an manchen Stellen in von mythologischer Schwere überladene Bilder. Insgesamt ist mit Lamento Allegro aber ein verzaubernd dichtes, lebhaftes Tanztheatergemälde mit mitreissender Musik gelungen.