Ihm geht es um die Wurst: - © ERNESTO GELLES
Ihm geht es um die Wurst: - © ERNESTO GELLES

Die Blunzn war nicht so seins, der Burenwurst war er hingegen verfallen. Der Würste (und personifizierten Würstel) gibt es viele in Lukas Resetarits’ neuem Programm. Das ist nachgerade ein Würstelgulasch, zur sämigen Bindung gibt es bei ihm aber Gesellschaftskritik und Regierungsschelte. Bevor es losgeht, muss der Zuseher aber noch den AGB zustimmen. Wer nicht einverstanden ist mit Punkt "Der Kabarettist kann eigene Meinungen enthalten", hat noch die Chance zu gehen. Auch Allergiker, denn Resetarits hat ein Packerl Erdnüsse verzehrt und daher gilt auch der Punkt "Der Kabarettist kann Spuren von Erdnüssen enthalten".

Solcherart abgesichert, stürzt er sich in den Wurstsalat, denn die Klammer, die seine Beobachtungen diesmal zusammenhalten soll, ist eine kulinarische. Von der Blutwurst, die im Hinterhof in Stinatz angerührt wurde, inklusive verirrten Mäusen (oder Hirschkäfern), bis zur schwer therapierbaren Burenwurstsucht, die er in seiner Jugend beim Ferienjob in der Kantine der Ankerbrotfabrik "aufgerissen" hat. Dort gab es gratis Meterwurst in ein Kilometer langem Darm - "keine Ahnung, von was für einem Viech das war". Der Plauderton verschärft sich, wenn Resetarits das Pökelsalz als Metapher ausstreut. Da muss die Wurst als Kadaver, den man einsalzt, damit man die Verwesung nicht bemerkt, auch herhalten als Pendant zu PR-Nachrichten, deren fehlende substanzielle Inhalte mit Modewörter-Gewürzmischung schmackhaft gemacht werden.

Resetarits hat bei sich selbst eine dem gesellschaftlichen Trend entgegengerichtete Krankheit diagnostiziert: das Gegenteil von Alzheimer, er nennt es Alzberger. Er kann sich nämlich an vieles erinnern, an das sich alle anderen nicht mehr erinnern. Zum Beispiel an die letzte schwarz-blaue Regierung. Er weiß auch noch: "Da sind ja noch gar nicht alle im Gefängnis." Von Ernst Strasser und den orthopädischen Nachteilen der Fußfessel kommt er aber bald zur aktuellen Regierung. Kurzwähler, weiß er jetzt, haben nichts mit der Tastenkurzwahl am Handy zu tun, und den Innenminister sieht er in den Sonnenaufgang reiten. Auf einem Zwergpony. Ein Zahntechnikerwitz komplettiert den Fundus aus schon eher verbrauchten Polit-Persönlichkeitsgags.

Stärken hat das Programm bei Alltagsbeobachtungen wie dem Hang zur Onlinebestellung. Seine Wurzeln habe das Phänomen in jener Zeit, als der Durchschnittshaushalt drei Bücher besaß: eine Bibel, ein Telefonbuch und einen Quellekatalog. Heute könne man alles zurückschicken, früher habe man es noch die Ungarn holen lassen. Die wollen freilich heute nichts mehr, denn "die haben selber so viel Klumpert, allein wenn du ihre Regierung rechnest". Oder seine plastisch beschriebene Vision des zum Pflegeroboter ausbaubaren Staubsaugroboters, praktischen Nachthemden, die sich wie Spültabs im Wasser auflösen, und neuen Formen der Bestattung: "Das schickt man dann zu Amazon und die hauen’s dann weg."

Dass er sich noch am eineinhalb Jahre zurückliegenden Nationalratswahlkampf abarbeitet, wirkt wiederum seltsam aus der Zeit gefallen, auch gelingen die Verbindungen von Wurstsalat, Alzberger und Politkabarett nur stolpernd. Den appellhaften Schluss - nach satirischer Analyse der Mindestsicherung - erwartet man fast schon von einem Engagement-Kaliber wie Lukas Resetarits. Das Erwartbare ist aber mitunter der Feind der Pointe. Daher wird "Wurscht" nicht als der größte Wurf von Lukas Resetarits in die Annalen seines Œuvres eingehen. Fans wird es aber trotzdem schmecken.