Eine Krone und die Buchstaben E(lisabeth) und R(egina) auf dem Vorhang weisen nach England. Es geht nicht um den "Brexit", sondern um eine Zeit, als die englische Königin wirklich noch Macht hatte. Die Titelheldin von Friedrich Schillers "Maria Stuart", die vertriebene Königin von Schottland, bekommt die Macht von Elisabeth I. zu spüren und wird hingerichtet. Davor mangelt es nicht an Intrigen, Ränken, Verschwörung, Tumult und hinterlistiger Diplomatie. Die Bezüge zur Gegenwart sind unübersehbar.

Aus Schillers grandiosem Drama macht Bruno Max in der Scala einen überaus sehenswerten Theaterabend, bei dem heutige Kostüme (Alexandra Fitzinger), TV-Auftritte und Handys nicht stören, sondern dem Stück dienlich eingesetzt werden.

Ein Pauschallob den Darstellern! Johanna Rehm (Maria Stuart) trifft stets den richtigen Ton, die angemessene Mimik, die passende Geste. Alexandra-Maria Timmel (Elisabeth), die sich nach dem Todesurteil als "Dancing Queen" selbst ein "God save the Queen" singt, ist ihr ebenbürtig. Alexander Rossi überzeugt als sich geschickt durchlavierender Leicester, Christian Kainradl als eiskalter Burleigh, Jörg Stelling als weiser Shrewsbury. Als Stützen des Ensembles bewähren sich Christoph Prückner als aufrechter Paulet, Christine Renhardt als treue Hanna Kennedy und Florian Lebek als Sündenbock Davison, ein starkes Scala-Debüt gibt Matthias Tuzar als schwärmerischer Mortimer.

Die Scala widmete die Premiere zwei kürzlich, viel zu früh verstorbenen Kollegen: Matthias Messner und Leandros Caras.