"Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen." Das ist die Schlussformel des gemeinhin wichtigsten Gebets der Christen, des "Vater unsers". Wohl nicht ganz zufällig führt die kindliche Sprachverballhornung "In Ewigkeit Ameisen" auf diese Spur. So heißt jenes Stück von Wolfram Lotz, das am Freitag in der Regie von Jan Bosse im Akademietheater uraufgeführt wurde. Es basiert auf zwei Hörspielen des Autors, denen beiden eine Endzeitstimmung gemein ist. Beide Texte verbindet auch, dass sie von der Erfüllung von Aufträgen erzählen. Der eine Auftrag ist ein erteilter, und zwar von niemand weniger als Gott selbst: Erzengel Michael und sein auf den ersten Blick etwas trotteliger Himmelsbotenkumpan Ludwig sollen der Ortschaft Ifflingen das Jüngste Gericht bringen. Flammendes Schwert und ewige Verdammnis inklusive. Der andere Auftrag ist ein selbstbestimmter: Der gelähmte Forscher Prof. Schneling-Göbelitz möchte eine besonders außergewöhnliche Ameisenart - eine blaue - entdecken, mit der Expeditionserschwernis, dass die Apokalypse bereits im vollen Gang ist, die ganze Menschheit nur noch ein paar Tage zu bestehen hat und sein Begleiter/Rollstuhlschiebsklave Müller auf den letzten Metern ständig blutigen Stuhl verliert. Umso reizvoller, eine Tierart zu entdecken, die diesen Untergang recht mühelos überstehen soll.

Das Stück beginnt mit den an Seilen herabschwebenden Engeln in Blaumann-Anzügen, Christiane von Poelnitz strampelt hinreißend genervt in der Luft, wenn Ludwig (Katharina Lorenz) völlig planlose Fragen zum Endgericht stellt und statt einem anständigen Feuerschwert nur eine alberne Posaune mitgebracht hat. Die Rollen werden den Schauspielern an diesem Abend aber nicht angestammt bleiben, Regisseur Jan Bosse lässt durch ständigen Rollentausch jeden mindestens einmal alles andere sein. So werden Michael und Ludwig im Schlussbild, als sich aufgeklärt hat, wie und warum sich die Sühneopfer ihrem flammenden Schwert entziehen konnten, von Michael Brömmelmeier und Peter Knaack in einer etwas unterschiedlich flimmernden Variation verkörpert. Die beiden schlüpfen wiederum zu Beginn in die Rollen des Professors und seines Mitarbeiters. Die Rollenwechsel passieren manchmal poetisch, manchmal komödiantisch, manchmal heimtückisch, aber immer in einer seltsamen Logik, die man diesem absurd-unterhaltsamen Abend abkauft.