Eine triste Hochzeit, auf den ersten Blick: Es gibt Sekt und Semmeln, einen Schnulzensänger mit Keyboarder (Robert Slivovsky, Sebastian Spielvogel). Das glitzerprotzige Eine-Spur-zu-Viel ihrer Kleidung wird nur vom Hochzeitsplaner Gerald (Walsberger) übertroffen, doch auch die Damen stehen ihnen in nichts nach - Ausstatterin Pia Stross hat fürs E3 Ensemble und die Stückentwicklung "Ich will" Großes geleistet. Isabella (Jeschke) trägt ein Brautkleid, aber wo ist eigentlich der Bräutigam? Die Frage gerät schnell in Vergessenheit.

Neben Videowünschen an die Vermählten regieren die gewollt tiefsinnigen, sektgesteuert emotionalen Gespräche im verkrampften Setting eines solchen Freudenfests: über Liebe und Einsamkeit, aber eben auch über Hausbesitz und Künstlerprekariat. Irgendwie schleicht sich das Genderthema ein, und Maria (May Garzon) nimmt den armseligen Gerald in die Mangel: Was er dafür tue, Feminist zu sein? Das zuvor erheitert kreischende Theaterpublikum hält gebannt den Atem an.

Ohne Regie gelingt E3 das Kunststück eines so scharfen wie subtilen Gesellschaftsabrisses. Was eine Person sagt oder tut, entfaltet seine Schmerzhaftigkeit immer erst im Zusammenhang mit Reaktionen der anderen, mit eigenen Gedanken. Auch wenn Ensemble-Neuzugang Michaela Schausberger genau das in einem virtuosen Ausbruch bekrittelt - es ist genial umgesetzt, witzig und verdammt bitter. Und birgt, anders als die Vorbilder vom Aktionstheater Ensemble, einen klugen Handlungsbogen. Ja, ich will.