Die Grundstimmung von Giuseppe Verdis "Simon Boccanegra" ist düster. Doch diese Polit-Oper, die im Genua des 14. Jahrhunderts angesiedelt ist, besticht eben genau dadurch, indem sie sich mit viel Langsamkeit aber unaufhaltsam in die Brust der Zuhörer bohrt. Einfühlsame Arien voller Bedauern und Schmerz, soweit das Ohr reicht.

Das Sängeraufgebot auf der Bühne ist dabei eine große Stütze. Plácido Domingo, der sich mit großen Schritten seinem 80er nähert, gibt die Titelrolle mit viel Charisma. Dass die Stimme dabei nicht mehr den Glanz vergangener Zeiten hat, steckt man weg, vor allem deshalb, weil Domingo immer noch eine kernige Basis an den Tag legt.

Neben ihm sein Widersacher Fiesco (Kwangchul Youn) mit geschmeidigem Bass, ein wandelbarer Marco Caria (als erst wütender und dann reuiger Paolo), Dan Paul Dumitrescu (als Pietro) und vor allem: eine hinreißende Eleonora Buratto. Sie gestaltet die Rolle der Amelia stimmlich exakt und fein ausnuanciert. Agil auch in den zarten Höhen, ist sie mit diesem Debüt an der Wiener Staatsoper die größte Bereicherung in der Aufführung.

Relative Klarheit dringt aus dem Orchestergraben. Die Musiker unter der Leitung von Philippe Auguin tragen durch die dichten Rezitative und verleihen so mancher Einzeldarbietung mehr Tiefe.

Dass es am Ende stehende Ovationen gibt, ist wohl Domingos Lebenswerk zuzuschreiben und natürlich gerechtfertigt. Auch wenn die Lorbeeren an diesem Abend eigentlich anderen gebühren.