"Drogen soll man hassen, aber ein bisschen Wein ist sehr gut. Und eine Erdbeere. Wollen Sie eine?"

Mit diesem sympathischen Angebot endet Rania Alis Monolog in englischer Sprache ("Rania’s Love) vor Tizians "Kirschenmadonna". Davor ist von Mutterliebe und Selbstliebe die Rede, und man spürt die Verbindung zum Gemälde. Das ist an diesem Abend, an dem der schöne Knabe Ganymed, Mundschenk der Götter, wieder ins Kunsthistorische Museum ruft, nicht immer der Fall. So geistreich und tiefsinnig, wie manche Szenen scheinen wollen, sind sie bei näherer Betrachtung nicht, aber im Ambiente großer Kunstwerke entfalten sie dennoch Wirkung.

Der wahre Star ist ohnehin die Gemäldegalerie. Wie man die elf von Jacqueline Kornmüller in Szene gesetzten Darbietungen empfindet, liegt vor allem im Reich des Subjektiven. Manche mag etwa mehr Johanna Prosl mit dem Text "Frigide" vor "Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers" von Joseph Heintz berühren, andere Mira Lu Kovacs mit dem Song "Remember me" vor dem "Haupt der Medusa" von Peter Paul Rubens. Starken Beifall erntet die sprachlich herausragende Ulli Maier, die - alternierend mit Sabine Haupt - als Gerard Dous "Alte Frau am Fenster" erzählt, "was sie liebt". Auch deutliche Zeitkritik kommt nicht zu kurz, wenn vor Rubens’ Gewitterlandschaft Bert Oberdorfer als Philemon gegenüber seiner Baucis den Fremdenhass beklagt oder Matthias Loibner vor Herreras "Drehleierspieler" das tragische Los russischer Volksmusiker im Stalinismus anspricht.

"Ganymed in Love" wird nicht an allen Stationen alle überzeugen, aber für jeden ist etwas dabei.