(red) Kurskorrektur bei den Wiener Festwochen. Nach der verunglückten Kurzzeit-Intendanz von Tomas Zierhofer-Kin, der ganz auf Popkultur und Performance setzte, rudert der neue Leiter Christophe Slagmuylder in seinem ersten Festwochen-Programm zurück.

Das Bühnenspiel ist stärker vertreten, Slagmuylder hat einige wegweisende internationale Künstler nach Wien geladen, viel Performatives findet sich weiterhin auf dem Spielplan, hingegen gibt es kaum Popkulturelles.

Im Vorjahr sprang der 52-jährige Belgier kurzfristig ein, mittlerweile ist sein Vertrag bis 2024 fixiert. Die diesjährigen Festwochen hat er innerhalb kürzester Zeit zusammengestellt. Dem umfangreichen Programm merkt man die Planung unter Hochdruck keineswegs an. Von 10. Mai bis 16. Juni stehen 45 Produktionen mit 430 Künstlern aus 19 Ländern auf dem Spielplan. Am Donnerstag, 28. März, beginnt der Kartenvorverkauf. Was sollte man nicht versäumen? Wofür gibt es noch Karten? Die "Wiener Zeitung" empfiehlt.

Theater

Die Festwochen versuchen heuer zumindest ein Theatergroßereignis mit Starbesetzung: Robert Wilson inszeniert mit Isabelle Huppert den Monolog "Mary Said What She Said". Der US-Künstler gehört fraglos zu den weltweit bedeutendsten Theatermachern, er hat eine ganz eigene Formensprache entwickelt - bombastisch in der Wirkung (starke Farbkontraste), minimalistisch im Gestus (Fingerspitzenspiele). Beim aktuellen Vorhaben, "Mary Said What She Said", das unmittelbar nach der Premiere in Paris in Wien zu sehen ist, arbeitet Wilson zum zweiten Mal mit Huppert zusammen. 1992 brachten die beiden "Orlando" heraus, eine allseits gefeierte Virginia-Woolf-Hommage. Ob eine Neuauflage dieser außergewöhnlichen Künstlerbegegnung gelingt? Von 30. Mai bis 2. Juni kann man sich davon ein Bild machen. Ausverkauft sind derzeit nur die teuersten Kategorien.

Vor allem aber bieten die Festwochen 2019 die einmalige Gelegenheit, markante Positionen und unterschiedliche Generationen des europäischen Gegenwartstheaters zu erkunden.

Zu den herausragendsten Projekten gehört hier wohl Milo Raus "Orest in Mossul" (6. bis 8. Juni). Für dieses Projekt hat der Schweizer mit einem internationalen Ensemble in Europa und im Irak gearbeitet. Er verwebt darin die antike Tragödie mit gegenwärtigen Konflikten. Entstanden ist ein Racheepos, das die Menschheitsgeschichte als einzige Gewaltspirale darstellt.

Milo Rau, in Wien nicht unbekannt, stellt derzeit mit seinem Genter Nationaltheater und einem recht eigenwilligen Manifest das Prinzip Stadttheater auf den Kopf und fordert das Theater heraus wie kaum ein anderer. "Orest in Mossul" ist das erste Gastspiel von Raus Genter Theater in Wien. Hingehen!