Wien. (pat) Überraschende Wende bei der Suche nach der neuen künstlerischen Leitung für das Wiener Volkstheater: Die Findungskommission hat einstimmig beschlossen, keine Kandidaten für die Nachfolge von Direktorin Anna Badora vorzuschlagen, die noch die kommende Spielzeit verantworten wird. Eine Neuausrichtung des Hauses sei nur mit mehr Geld möglich. Die Kommission empfiehlt daher, zunächst die chronische Unterdotierung zu korrigieren, und spricht sich für eine Erhöhung von mindestens drei Millionen Euro jährlich aus, inklusive Valorisierung.

Die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler reagierte prompt und stoppte vorerst den Bewerbungsprozess. Die einstimmige Empfehlung der Jury sei überraschend gekommen, bestätige aber eigene Überlegungen. Kaup-Hasler will sich nun für die Budgeterhöhung starkmachen.

Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) stellt keine Subventionserhöhung in Aussicht. "Der Bund kommt bereits seiner moralischen Verpflichtung nach", so Blümel, "indem Mittel für die Sanierung des Volkstheaters bereit gestellt werden." Darüber hinaus möchte er nicht über eine Erhöhung nachdenken: "Es kann nicht immer jeder Wunsch erfüllt werden."

Gegen Mangelwirtschaft

Die Jury hat aus 72 Bewerbungen neun Interessenten zu einem Hearing geladen. Judit Havasi, Vorständin der Vienna-Insurance-Group leitet die Jury, bestehend aus Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann, kaufmännischem Direktor der Salzburger Festspiele, Lukas Crepaz, Theaterreferent der Stadt Wien, Arne Forke sowie die designierte Intendantin der Münchner Kammerspiele, Barbara Mundel.

Wie lange der Bewerbungsprozess außer Kraft gesetzt ist, ist offen. Kaup-Hasler: "Rasches Handeln ist erforderlich."