In seinem aktuellen Solo "Heil – vom Koma zum Amok" schlüpft Sigi Zimmerschied in die Rolle eines Kammerjägers. Der Passauer versteht sein Handwerk. Mit gewohnt grandioser Mimik weiß er die Kleinkunstbühne bei der Österreich-Premiere im Wiener Kabarett Niedermair optimal zu nutzen: Ein Tisch mit einer Flasche Schnaps, ein Strauß Blumen aus Fliegenklatschen und ein Insektenfänger, der von der Decke baumelt. Ein Kammerjäger durch und durch, verschmilzt Zimmerschied mit der Kunstfigur "Sigi Heil". "Da, hören sie es? Knack, knack, knack der Kakerlak".

Sigi, mit einem Fliagenduscher bewaffnet, weiß, wie er mit einem Schädling umzugehen hat. Ein Schädling muss vernichtet werden – mit Utensilien von Insektengift bis zur Rattenfalle. Und hat es eine Ratz erwischt, wird das Tier präsentiert. Gleich einer Trophäe, findet die Ratz einen Platz an der Wand – neben ihr ein Kruzifix.

Beißende Kritik am Katholizismus ist bei Zimmerschied nichts Ungewöhnliches. Ebenso rechnet er mit den erstarkenden Faschismus- und Gewalttendenzen unserer Gesellschaft ab. Sigi Heil entpuppt sich als das personifizierte Böse, das seinen 65. Geburtstag feiert. Gäste? Fehlanzeige. Mit seinem Rentenbescheid sitzt er allein am Tisch. (Freilich sind wir, die Besucher des Spektakels, da. Aber Freunde oder gar Verwandte bleiben aus.) Sigi trinkt. Hochprozentiges.Seine dunkelsten Seiten erblicken das Licht. Bis zum Zenit des Abends und der Entdeckung des letzten Schädlings, dem eigentlichen Amok, an dem er auch das letzte Ungeziefer entdeckt und uns alle teilhaben lässt. Sehenswertes Theaterkabarett. Der abschließende Applaus gebührt dem Passauer und nicht dem Kammerjäger.