Treffpunkt Werk X Petersplatz. Der Tod wird Besuchern der Performance "Ungebetene Gäste" im Foyer zunächst in Zahlen nähergebracht: Jedes Jahr sterben etwa 16.000 Menschen in Wien, rund tausend sind am Ende ihres Lebens so verarmt, dass die Stadt die Begräbniskosten übernimmt, geschätzte 500 Menschen sterben nicht nur mittellos, sondern auch völlig vereinsamt. Bestattung nach § 19 wird dann wirksam: ein einsames Begräbnis. Dabei verrichten die Totengräber in aller Stille ihr Amt. Das sind Gräber ohne Blumen, ohne Grabstein, nur ein Namensschild erinnert noch an die Verstorbenen.

In den Niederlanden gibt es ein Kunstprojekt, bei dem Dichter ausgehend von Recherchen etwa in Pflegeheimen für vereinsamt Verstorbene einen Text verfassen und während des Begräbnisses vortragen. Inspiriert von dieser Unternehmung, erkundet nun das junge heimische Performancekollektiv "Darum" in "Ungebetene Gäste" die Bühnentauglichkeit einsamer Begräbnisse.

Der gesamte Bühnenraum ist zur Installation umfunktioniert, in der sich etwa 30 Zuschauer frei bewegen. Die Theatermacher haben eine Art Erinnerungsraum für einen unbekannten Toten entworfen, der fortan A. genannt wird. Erstaunlich, was die Spurensuche im Pflegeheim, Gespräche mit Pflegerinnen und Pflegeheim-Bewohnern alles zu Tage förderte.

Umrisse eines Lebens entstehen, die mit Mitteln des immersiven Theaterspiels - ansatzweiser Nachbau von A.s etwas heruntergekommenen Wohnung, Hör- und Spielstationen - den Besuchern nahegebracht werden.

Fußball und Marlboro

A. ist am 19. 7. 1959 geboren und am 24. Dezember 2018 gestorben, er war zuletzt in Wien-Meidling gemeldet. A. war verheiratet, hatte zwei Kinder, war schwerer Alkoholiker und brach den Kontakt zu seiner Familie vor vielen Jahren ab. Bevor ihn die Krankheit niederwarf, war er als Verkäufer bei Kleiderbauer beschäftigt. A. interessierte sich für Fußball, paffte nach dem Mittagessen gern am Balkon seine Malboro, war zuletzt an den Rollstuhl gefesselt und trank nur mehr alkoholfreies Bier.

Letzte Station: Zentralfriedhof. Nach der Busfahrt spazieren die Zuschauer einzeln zu A.s Grab. Via Kopfhörer hört man A.s Lebensgeschichte als fiktiven Text von Mario Schlembach, vorgelesen von Helmut Wiesinger. Angekommen beim fingierten Grab, wird eine Grabrede verlesen. Schlusspunkt der vierstündigen Performance bildet der traditionelle Leichenschmaus. In der Kapelle wird Suppe ausgeschenkt.

Die Theatermacher Laura Andress, Victoria Halper und Kai Krösche haben jede einzelne der fünf Aufführungen einem oder einer Vereinsamten gewidmet. Jede Performance ist anders. Dem Team ist mit gebotener Ernsthaftigkeit eine pietätvolle Auseinandersetzung geglückt. Ein Theatererlebnis, das lange nachwirkt.

Performance

Ungebetene Gäste

Spurensuche von "Darum"

vierstündige Tour durch die Stadt, inkl. Essen, Treffpunkt Werk X Petersplatz, Wh.: 30., 31. März