Wien. Mit sanftem "Mittagsblau" will das Theater an der Wien kommende Saison die Opernwelt des 19. und 20. Jahrhunderts zum Schillern bringen. Intendant Roland Geyer setzt damit seinen mit der diesjährigen Saison gestarteten Vierjahresplan fort. Und nachdem die laufende Spielzeit unter dem Titel "Morgen" die Anfangsjahre der Oper beleuchtet, folgt nun ein Feuerwerk spannender Personalkombinationen.

Vier Zweige

Grundsätzlich hat Geyer das Programm 2019/20, das aus neun Premieren im Haupthaus und vier Inszenierungen in der Dependance Kammeroper besteht, in vier "Zweige" gegliedert: den slawischen, deutschen, italienischen und französischen, wie er bei der Präsentation am Freitag unterstrich. Den Auftakt der Saison gestaltet am 19. September Amelie Niermeyer mit Dvoraks "Rusalka", bevor die slawische Linie am 15. Dezember mit Stanislaw Moniuszkos "Halka" aus 1858 in der Starbesetzung um Piotr Beczala und Tomasz Koniecny fortgesetzt wird. Das letzte Zweiglein an diesem Ast stellt dann Sergei Prokofjews "Der feurige Engel" dar, den Breth am 16. April 2020 inszenieren wird.

Ein wahres Beethovenfest gibt es dann zum 250. Geburtstag 2020. Dazu zählen unter anderem der "Fidelio" am 16. März 2020 in der Regie von Hollywoodstar Christoph Waltz und unter Dirigat von Manfred Honeck sowie Christian Josts Uraufführung "Egmont" unter der Regie von Keith Warner - in derselben Orchesterbesetzung wie die "Egmont"-Schauspielmusik des Jubilars und mit Stars wie Angelika Kirchschlager oder Bo Skovhus. Auch Tscho Theissings "Genia" als Uraufführung in der Kammeroper mit Beethoven als Person auf der Bühne gehört neben weiteren konzertanten Projekten zum feierlichen Beethoven-Frühjahr.

An der Schnittstelle zwischen der deutschen und französischen Fraktion bewegt sich indes Nikolaus Habjan, der nun als Director in Residence fungiert und diesen Mai bereits den "Oberon" am Haus inszenieren wird. In der Kammeroper inszeniert Habjan Gounods "Faust" (1. Oktober). Er wolle das meist nur als Kollateralschaden inszenierte Gretchen in den Vordergrund rücken. Am 18. Jänner folgt im Haupthaus dann Strauss’ "Salome" mit Marlis Petersen in der Titelpartie. Er habe von Geyer das Angebot gehabt, "Salome" ohne Puppen zu machen: "Aber ich habe mich dann doch dafür entschieden. Da bin ich ein Fachmann, das sollte ich durchaus nützen."

Diese personelle Verschränkung zwischen Theater an der Wien und Kammeroper sei kein Zufall, betonte Geyer: "Es geht mir darum zu zeigen: Das Theater an der Wien besteht aus einem großen und einem kleinen Haus." Und so gibt es zumindest in der Kammeroper für die Freunde des Barocks mit Händels "Giustino" am 4. Dezember zumindest ein Werk des Meisters. Insgesamt habe man damit mehr als 30 der Opern und Oratorien von Händel am Haus gehabt, zollte der Intendant dem Tonsetzer seinen Respekt und zeigte sich auch mit der laufenden Saison zufrieden, die bis dato zwei Händel-Opern brachte und derzeit bei 92 Prozent Auslastung im Haupthaus und 90 Prozent in der Kammeroper hält.

Schließlich besteht der italienische Zweig 2019/20 unter anderem aus Gaspare Spontinis "La Vestale" unter Bertrand de Billy und Vincenzo Bellinis "Norma", für die Shootingstar Asmik Grigorian ihr Rollendebüt gibt. Darben müssen auch die Mozart-Anhänger nicht, wenn am 17. Oktober der Concentus Musicus unter Stefan Gottfried "La Clemenza di Tito" spielen wird, für den unter anderen Starcounter Kangmin Justin Kim verpflichtet wurde. Das Mittagsblau kann also kommen.