Kinder seien hier Opfer von Demütigungen, Gewalt bis hin zu sexuellen Übergriffen geworden, schreibt der "Falter". - © APAweb, dpa, Bernd Weissbrod
Kinder seien hier Opfer von Demütigungen, Gewalt bis hin zu sexuellen Übergriffen geworden, schreibt der "Falter". - © APAweb, dpa, Bernd Weissbrod

Schwere Anschuldigungen gegen die Ballettakademie der Wiener Staatsoper: Kinder seien hier Opfer von Demütigungen, Gewalt bis hin zu sexuellen Übergriffen geworden, schreibt das Wochenmagazin "Falter". Ein Teil der Vorwürfe konzentriert sich auf eine im Jänner gekündigte Lehrerin, die Schülerinnen unter anderem getreten, blutig gekratzt und an den Haaren gerissen haben soll. "Ich bin sehr betroffen, wenn ich all das höre. Es ist klar, dass sich hier eine Lehrerin sehr schlecht benommen hat", stellt Staatsoperndirektor Dominique Meyer in dem Magazin-Bericht klar: "Das wollen wir nicht, und das dulden wir nicht."

Des Weiteren wirft ein ehemaliger Schüler einem einstigen Lehrer sexuelle Belästigung vor. Nach Vorlage des entsprechenden Protokolls wurde dieser Lehrer unmittelbar dienstfrei gestellt und eine Untersuchung eingeleitet. Die Staatsoper hat eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt.

Staatsoperndirektor Meyer selbstkritisch

Staatsoperndirektor Dominique Meyer hat sich am Dienstag im ZiB 2-Interview selbstkritisch angesichts der im aktuellen "Falter" veröffentlichten Missstände in der Ballettakademie seines Hauses gezeigt: "Ich will nicht meine Verantwortung abstreiten - so ein Mensch bin ich nicht." Er setze nun auf völlige Offenheit: "Ich will eine totale Aufklärung von allem, was in dieser Schule nicht stimmt."

Schon vor zwei Jahren sei die im Zentrum der Vorwürfe stehende Ballettlehrerin mündlich wegen ihres Verhaltens verwarnt worden. "Es ist ein paar Monate besser gelaufen - dann ist sie in die gleichen Gewohnheiten zurückgekommen." Daraufhin sei die schriftliche Verwarnung erfolgt. Nach abermaligem Fehlverhalten habe man dann die Kündigung ausgesprochen. "Ich mache mir selber Vorwürfe, dass ich das vielleicht schneller hätte machen müssen", so Meyer. Die Lehrerin hätte immer sehr gute Ergebnisse erzielt, aber: "Ich bedauere, dass wir langsam agiert haben in dieser Geschichte."

Zugleich stellte sich Meyer nach jetzigem Kenntnisstand explizit hinter die jetzige geschäftsführende Direktorin der Akademie, Simona Noja. Sie habe auf die Vorwürfe reagiert und etwa Fälle von Fehlernährung von Kindern aktiv angegangen und die Eltern kontaktiert: "Ich will nicht alle Probleme auf dem Rücken von Frau Noja abhandeln - das wäre nicht fair." Meyer plädierte deshalb für Sachlichkeit in der Debatte: "In der Wortwahl dieser Materie wird vieles übertrieben." Wenn man sich in der Ballettakademie bewege, sehe man hauptsächlich glückliche Kinder: "Man muss aufpassen, wenn man alles schwarz malt."

Blümel ordnet Sonderkommission an

Angesichts des Vorwurfs schwerer Missstände in der Ballettakademie der Wiener Staatsoper hat Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) die Bundestheaterholding mit der Einrichtung einer Sonderkommission beauftragt. "Ein Verhalten, wie das in den Vorwürfen angeprangerte, ist vollkommen inakzeptabel", sagte Blümel in einem Statement gegenüber der APA.

Sobald er von den Vorwürfen erfahren habe, habe er Holding-Geschäftsführer Christian Kircher mit der Einrichtung des Gremiums beauftragt, welches die Vorwürfe restlos klären soll, so Blümel: "Holding-Chef Christian Kircher wird einen umfassenden Bericht inklusive aller getroffenen Maßnahmen, um so etwas auch in Zukunft zu verhindern, vorlegen." (apa)