Wien. Trotz Baurekord fehlen in Österreich fehlen geförderte Mietwohnungen. "Die Deckungslücke an günstigen, geförderten Mietwohnungen wird immer größer", sagte Obmann Karl Wurm beim Jahrespressegespräch der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV). Der Nachholbedarf zum Schließen dieser Deckungslücke werde immer größer, helfen könnten eigentlich nur Sonderaktionen oder mehr Förderung. Aber die Bauindustrie sei an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit angelangt.

Mehr als 16.500 neue Wohnungen vor der Übergabe

Die Hochkonjunktur am Bau führe zu Verzögerungen, deshalb hätten auch die GBV-Mitglieder voriges Jahr etwas weniger Fertigstellungen geschafft, obwohl der Wohnungsneubau in dem Sektor den höchsten Stand seit Mitte der 1990er-Jahre erreicht habe, sagte Wurm.

- © APAweb, APA Grafik
© APAweb, APA Grafik

Konkret waren Anfang 2019 in ganz Österreich rund 33.600 GBV-Wohnungen in Bau, zuletzt waren es Mitte der 1990er-Jahre so viele. Die sehr hohe Bauaktivität wird sich in den nächsten Jahren auch in überdurchschnittlichen Fertigstellungen niederschlagen: 2019 und 2020 dürften jeweils mehr als 16.500 Wohnungen übergeben werden, dann dürfte der "Peak" aber überschritten sein.

Bauboom verzögert Fertigstellung von günstigem Wohnraum

Ja, es gebe einen Bauboom, doch beziehe sich der vielfach auf freifinanzierten Wohnraum, der insbesondere für Jüngere und andere Einkommensschwächere nicht leistbar sei, sagte Wurm. Die Zahl der Haushalte steige weiter, daher sei die Nachfrage in den Städten wie Wien ungebrochen.

"Die Schere geht auf. Das ist ein Problem, das in den Fokus genommen werden muss", verlangte der Obmann des Österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen. Sein Stellvertreter Graf verwies darauf, dass der Fachkräftemangel am Bau mit ein Grund für die "ausgereizten Kapazitäten" der Bauindustrie seien. Am stärksten war nach Verbandsangaben Wien von den Verzögerungen betroffen, hier wurde mit 3.900 Wohnungen der Zehnjahresschnitt von 4.400 knapp verfehlt.

Bis zu einem Drittel günstigere Mietkosten

Neu fertiggestellte gemeinnützige Mietwohnungen kosten die Bewohner samt Betriebskosten und Steuern rund 8 Euro pro Quadratmeter und Monat, in Wien auch 9 oder 9,50 Euro. Gegenüber privaten Mietwohnungen sei man um rund 3 bis 5 Euro pro Quadratmeter günstiger, dort lägen die Neubaumieten am Markt bei 12 bis 14 Euro je Quadratmeter. Die Mieten neuer GBV-Wohnungen lägen umgekehrt betrachtet um rund ein Fünftel niedriger als am freien Markt. In ausfinanzierten GBV-Wohnungen, nach 25 bis 35 Jahren, seien netto nur noch 1,80 Euro plus 2 Euro Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrag (EVB) zu berappen, brutto dann um die 6,50 Euro.

Wurm fordert österreichweit günstige Landesdarlehen

Unterstützt werden könnte leistbarer Wohnbau zudem durch die Baurechtsvergaben oder Grundvorkäufe durch Kommunen, die die Flächen günstig Bauträgern weitergeben. In Südtirol etwa darf bei Umwidmungen ein Teil nur zu bestimmten Preisen weitergegeben werden. Positiv hob Graf das Niederösterreich-Modell hervor, bei dem sich das Land 125 Mio. Euro an EIB-Darlehen abhole; dadurch bekomme man Wohnbaumittel zu 0,43 Prozent Niedrigzins, das drücke den Aufwand pro Wohneinheit um rund 200 Euro im Jahr.

Wurm forderte, andere Bundesländer sollten sich am NÖ-Vorbild orientieren, das über die Hypo Niederösterreich - als Verwalterin der Landesdarlehen - abgewickelt wird, nachdem die auf Bundesebene geplante Wohnbauinvestitionsbank (WBIB) nicht zustande kam. "Vielleicht könnte das der Schlüssel zum Erfolg auch für andere Bundesländer sein." Von der bevorstehenden Novelle zum Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG) erwartet er sich, dass sie einem "Ausräumen" gemeinnütziger Baufirmen durch Finanzinvestoren einen Riegel vorschiebt. (apa)