Überall Ratten. Knapp nach der Premiere von Andrea Breth am Burgtheater kamen "Die Ratten" von Gerhart Hauptmann am Theater an der Gumpendorfer Straße in einer Fassung und Inszenierung von Bernd Liepold-Mosser heraus. Das naturalistische Drama ist Liepold-Mossers erste Arbeit in Wien.

Es ist ein zusammen gedampftes und kunstvoll frisiertes Stück, das der Regisseur basierend auf den Grundmotiven und zentralen Handlungssträngen Hauptmanns entworfen hat. An Werner Schwabs Wort-Furor erinnernd, wird mit Wiederholungen und Bedeutungsverschiebungen gearbeitet. Sprache prasselt in einem irren Tempo aus dem Ensemble heraus und dirigiert den Fortgang der bilderreichen, körperhaften Inszenierung.

Pauline ist hier kein Dienstmädchen mehr, sondern eine 24 Stunden Pflegekraft. Mit umgeschnalltem Babybauch sitzt Lisa Schrammel und jammert schlagfertig. Frau John, die Michaela Kaspar sachte abdrehen lässt, will das Kind übernehmen, gibt es als ihr eigenes aus. Georg Schubert spielt den kuriosen Nachbarn, einen Showmaster, das ist alles, was vom komödiantischen Handlungsstrang rund um den Theaterdirektor Hassenreuter übrig geblieben ist.

Wobei: Raphael Nicholas sinniert als gewalttätiger Bruno über den Zusammenhang von Schauspielerei und krimineller Energie. Und Jens Claßen gibt sich als Herr John seinem sozialen Arbeits-Drama hin. Selbstreflexiv und zeitgenössisch gedacht, entfaltet sich ein fabelhafter Theaterabend auf einer engen Rattenkäfig-Bühne von Karla Fehlenberg. Und eine Ratten-Maske gibt es auch.