Wien. Namen oder Stücktitel möchte der neue Burgtheaterdirektor Martin Kusej einige Wochen vor seiner ersten Spielplanvorstellung noch nicht bekanntgeben. Im APA-Interview skizziert er aber die großen Linien seiner Intendanz: Neue Regiehandschriften und Ensemblemitglieder, mehr Sprachenvielfalt und mehr Risiko, das Burgtheater als "eine große ideelle Basis, für die, die verändern wollen".

Herr Kusej, Ihr Vorvorgänger Matthias Hartmann hat bei seinem Antritt gemeint: "Sie wollten das Beste, und Sie kriegen es auch"...

Martin Kusej (unterbricht): Können wir diese Zeit einfach ausblenden und darüber nicht weiter reden, bitte?

Das können wir, wenn Sie möchten - denn die Frage, die ich damit verbinden wollte, lautet: Was kriegen die Wiener mit Ihnen?

Das werde ich bei meiner Pressekonferenz Anfang Juni im Detail erzählen. Es kann aber nicht wirklich völlig überraschend sein. Erstens kennt man meine Arbeit in Wien, zweitens kann man sehen, was ich in München gemacht habe. Das Residenztheater ist auch ein ziemlich großes Theater, das ich acht Jahre geleitet habe. Ich glaube, das ist recht erfolgreich und gut gelungen. Jetzt geht es vielleicht noch einen kleinen Schritt, eine halbe Treppe höher. Das ist für mich eine große Herausforderung und eine große Ehre. Und eine Chance, auch für mich selbst noch einmal einen Schritt weiterzugehen. Ich möchte Dinge ausprobieren, von denen ich glaube, dass man sie jetzt tun muss, neue Richtungen und Ästhetiken suchen, den üblichen Mainstream verlassen und mich noch einmal einem gewissen Risiko aussetzen. Mein Münchner Programm nahtlos nach Wien zu übertragen, kann ich mir nicht vorstellen. So habe ich mich bemüht, neue Regisseurinnen und Regisseure zu engagieren, deren Arbeiten mir neu waren, und die man vor allem auch in Wien noch nicht kennt. Insofern ist das eine ziemlich aufregende und durchaus riskante Perspektive für mich.

Was wird anders am Burgtheater?

Vor allem werden es eben diese neue Regiehandschriften sein. Sie kommen aus ganz Europa. Davon kann man gerne ableiten, dass mich der europäische Gedanke vor allem im theatralischen, künstlerischen Zusammenhang interessiert. Ich erlebe, dass sich Wien zu einer unglaublich lebendigen und spannenden Metropole entwickelt hat - das muss sich im Theater widerspiegeln. Es ist eine vielsprachige und vielkulturelle Stadt, was mir unglaublich gut gefällt. Also durchaus eine Herausforderung für ein adäquates, zeitgemäßes Programm. Ich selbst spreche einige Sprachen - aber in Wien passiert es mir mittlerweile oft, dass ich Worte und Sätze, die ich höre, nicht mehr einordnen kann. Wien ist definitiv mehr als nur Deutsch oder Österreichisch.