Salzburg. Kein Zank ist eine Zierde. Der Streit bei den Salzburger Osterfestspielen besitzt aber einen interessanten Twist: Der Aufsichtsrat hat immer wieder versucht, den Konflikt aus der Welt zu reden. Nein - es sei alles in schönster Osterbutter bei dem Festival. Was das Gremium beschlossen habe, das würde auch umgesetzt.

Heißt also: Christian Thielemann, bisher tonangebend als Dirigent und Programmplaner, erhalte im nächsten Jahr einen neuen Geschäftsführer, nämlich Nikolaus Bachler. Und dieses Teamwork werde danach eine Steigerung erfahren. Ab 2022 sollen der Stardirigent und der Kulturmanager nämlich gemeinsam für das Programm verantwortlich zeichnen. Dieses Bündnis gewährleiste "die künstlerische Kontinuität der Osterfestspiele auf höchstem Niveau", hieß es im Vorjahr seitens des Landes Salzburg. Dessen Landeshauptmann Wilfried Haslauer gilt als treibende Kraft in den Leitungsgremien.

Allerdings: Nicht jeder teilt seine Sicht. Schon gar nicht Christian Thielemann. Der hatte bisher mit Peter Ruzicka als geschäftsführendem Intendanten seinen Wunschpartner; Bachler aber, der wie Thielemann als starke Führungsfigur gilt, behagt ihm weniger. Im November wurde den "Salzburger Nachrichten" eine Korrespondenz zugespielt, die den vermeintlichen Festspielfrieden trübte: Da tauchten Mails auf, in denen sich Thielemann strikt gegen Bachler aussprach; da wurde auch ein Brief öffentlich, den der Pultstar dem aktuellen Leiter der Bayerischen Staatsoper geschrieben hatte. Er, Thielemann, wolle "nicht in die Lage versetzt sein, Ihnen fachliche Weisungen erteilen zu müssen", beschied er dem 68-Jährigen.

Kein Osterfrieden

Nun ist seit November einiges Wasser die Salzach hinuntergeflossen, und an diesem Samstag erwachen die Festspielhäuser zu neuem Osterleben. Thielemann wird abermals als Zentralgestalt und Leiter der Staatskapelle Dresden glänzen, mit der er das Festival seit 2013 bespielt. Wagners "Meistersinger von Nürnberg" eröffnen die Programmreihe, gefolgt von der Uraufführung einer Kammeroper ("Thérèse" von Philipp Maintz) und garniert mit einigen Klassik-Konzerten.

Der Makel des Konflikts aber bleibt. Thielemann scheint weder gewillt, klein beizugeben noch die Festspiele zu verlassen. "Wir sind in Salzburg so gut angekommen, wie man es sich nur vorstellen kann", und er plane schon für die Jahre 2022 und 2023, erklärte der Dirigent jüngst im "Standard" - und schloss eine Zusammenarbeit mit Bachler erneut aus. In diesem Zusammenhang verlangt er eine pikante Korrektur: In einem Aufsichtsratsprotokoll heiße es nämlich, Thielemann habe Landeshauptmann Haslauer telefonisch Zustimmung zur Personalie Bachler erteilt; vielmehr sei das Gegenteil wahr.

Zuletzt zeigte sich Thielemann zwar gemildert: Er setze darauf, "dass wir noch einmal ganz ruhig reden", sagte er im ORF. Man darf jedoch zweifeln, ob dies Ausdruck eines Osterwunders ist, das Thielemann doch noch Gefallen an Bachler finden lässt. Für nächste Woche ist jedenfalls eine Aufsichtsratsitzung anberaumt.