Wien. Jetzt punkt und rockt er wieder. Nicht das erste Mal mit dem Komponisten und Arrangeur Christian Kolonovits, einem Vielbeschäftigtem. Nach einer Pause von 25 Jahren wagte der Wiederkehrer ein neues Album: "leben frisst rohes fleisch" landete ohne die Gunst der Ö3-Macher auf einer Verkaufs-Chart. Franz Morak ist in der Szene zurück. Sein Freund Gottfried Helnwein holte für die Cover-Fotos - wie schon für "Morak" (1980), "morak ’n’ roll" (1981), "Herzstillstand" (1993) - aus dem Schauspielergesicht das Wildeste, Fremdeste, Animalischste heraus. Punk-Rock-Brutalismo eben. Helnweins Weltkunst.

Punk-Barde und DADA-Poet

Viele Altersgenossen haben noch den Nachhall im Kopf vom Punkhammer "Schizo" und der Verlierertrosthymne "Sieger sehen anders aus". Auch die alten Nummern sind wieder erhältlich in einer Gesamtausgabe unterm Label Partisan Sternstaub: "morak/alles", fünf Alben Liedgut sowie der Mitschnitt einer Lesung 1988 aus der "Dritten Walpurgisnacht" von Karl Kraus.

Moraks Stimme ist für jeden apokalyptischen Schauer gut. Kraus’ 1952 veröffentlichter Essay täuscht mit seinem ersten Satz: "Zu Hitler fällt mir nichts ein." Im Begleitbuch zur Kassette reiht der Philosoph Rudolf Burger den Punkbarden unter die DADA-Poeten ein. Der Dichter Michael Scharang würdigt Morak im Widerstand. Der Kunst- und Medientheoretiker Peter Weibel verortet ihn in einem Eck des Austropops, das er "Risiko-Rock" nennt. Morak schreibe "postmoderne Literatur. Strukturell vergleichbar den Quentin-Tarantino-Filmen."

Morak lebt mit der österreichischen Literatur mit. Als Schauspielschüler in Graz profitiert der 1946 geborene Grazer vom "Forum Stadtpark". Im Wiener Volkstheater dient er Peter Turrini bei der Uraufführung der "Rozznjagd" 1971 und Wolfgang Bauer 1972 im ersten "Massaker im Hotel Sacher". In der Burg schafft er den Spagat zwischen Nestroy und Grillparzer. Als Kunststaatssekretär unter dem Bundeskanzler Schüssel hängt er Bauer zum Sechziger einen Orden um und hält 2005 die Grabrede. Nach dem Tod des verehrten Rinks-lechts-Poeten stiftet Morak den Ernst-Jandl-Preis für Lyrik, samt Jandl-Symposien in Neuberg an der Mürz. Die ersten Gewinner: Thomas Kling, Felix Philipp Ingold, Michael Donhauser.

Postmodern zitatverliebt sind Morak-Texte allemal. Im Lied "Kein Mitleid mit den Wölfen", tönt aus der Frontstrophe ("kein ort um hier zu bleiben / nur wer weiß schon wohin / keine antwort auf alle fragen / warum ich noch so fröhlich bin") ein Echo auf Kaiser Maximilian, der Mönch Martinus von Biberach, Angelus Silesius und Heinrich von Kleist. Und auch von Luther, der diese Zeilen als "Reim der Gottlosen" ablehnte.