Just am Ostermontag bot die Wiener Staatsoper eines der progressivsten Richard-Strauss-Werke, und es ging musikalisch durch Mark und Bein: In dieser "Salome" sorgte besonders Michael Boder mit seinem einnehmenden Dirigat für den notwendigen Thrill. Kraftvolle Einsätze, spannungsgeladene Dynamik, aber auch verführerisch singende Tänze bannten das Publikum und ließen es eintauchen in die schockierend abgründige Dramenvorlage von Oscar Wilde.

Wortdeutlicher Wahnsinn

Gun-Brit Barkmin legte wieder viel Bühnenpräsenz in die Titelrolle und punktete vor allem durch ihre extrem wortdeutliche Artikulation. Der Prophet Jochanaan, gesungen von Markus Marquardt, ließ sich bis zur finalen Kopflosigkeit abermals nicht von der Königstochter verführen, hatte an dem Abend aber vor allem Mühe, gegen den gewaltigen Klangteppich des Orchesters zu bestehen. Dramatischer Höhepunkt wurde Barkmins Schluss-Monolog, in dem sie all den liebenden, zerstörerischen Wahnsinn nochmals offenbarte: ". . . ich habe ihn geküsst, deinen Mund, es war ein bitterer Geschmack auf deinen Lippen . . ."

Das Hausensemble, bestens aufeinander eingespielt, gab die Zaungäste dieses Grauens: Jörg Schneider überzeugte rundum als unglücklich verliebter Hauptmann Narraboth , daneben gab es ein intensives Wiedersehen und -hören mit Ulrike Helzel (Page), Thomas Ebenstein (erster Jude) und Sorin Coliban, Wolfgang Bankl (Soldat) sowie Alexandru Moisiuc (Nazarener).