Erfahrene Operngeher versus entzückte Touristen: Die einen versuchten, den aufbrandenden Beifall der anderen (mehr oder minder dezent) einzudämmen. Zwar hatte Leonore soeben ihren Florestan in Beethovens "Fidelio" befreit; die dramatische Aufheizung der Dritten "Leonoren"-Ouvertüre stand damit aber erst bevor. Der langsame Einleitungsteil wurde dann kurz vom Applaus-Eifer überlagert. Adam Fischer aber ließ sich kaum aufhalten. Kurz die Hand gehoben, und schon zog der Dirigent weiter.

Die Staatsopern-Vorstellung am Dienstag stand auf einer grundsoliden musikalischen Basis - mit schönen Holzbläser-Soli, furiosen Geigenpassagen, schneidigen Trompetensignalen und geschmeidig weichen Cellostellen. Auf der Bühne agierten großteils Rollendebütanten, durchwegs erlesene Namen. Allen voran René Pape als Rocco: Ein Luxus-Kerkermeister, der mit Charisma, Wortdeutlichkeit und seiner herrlichen Bassstimme für Begeisterung sorgte.

Anne Schwanewilms gestaltete die mutige Gattin mit edlem Strauss-Timbre im hohen Register; der enorme Tonumfang der Partie und die erforderliche heroische Durchschlagskraft führten die Sängerin dabei durchaus an ihre Grenzen. Brandon Jovanovich gab einen kraftstrotzenden Florestan. Stark Thomas Johannes Mayer als Don Pizarro, wobei der Gouverneur gerne noch mehr Schwärze und Niedertracht vertrüge. Zum Verlieben (nicht nur für den tadellosen Michael Laurenz als Jaquino) sang Chen Reiss die Marzelline. Berührend: der Chor der endlich in freier Luft atmenden Gefangenen.•