Traditionell kommt dem Performance-Programm beim Donaufestival in Krems eher eine Nebenrolle zu. Nichtsdestotrotz wartet das diesjährige Programm mit zwei szenischen Höhepunkten auf, die eine Zeitreise in die Vergangenheit und Zukunft des Theaters unternehmen.

Eröffnet wird das Programm vom 26. bis 28. April mit einem theatralischen Blick zurück. The Living Theatre, eine Agit-Prop-Formation aus New York, schockierte anno 1968 die Kunstwelt mit "Paradise Now": Eine Truppe ganz nackter und halbnackter Hippies artikulierte darin in stundenlanger spiritueller Ekstase den Wunsch nach einer besseren Welt, die vor allem sexuell freizügiger sein sollte. Die Aufführung schlug damals im prüden Amerika ein wie eine Bombe. Einige Theatermacher wurden sogar inhaftiert, "Paradise Now" schrieb Theatergeschichte.

In der Neuauflage "Paradise Now (1968-2018)" kehrt der belgische Choreograf Michiel Vandevelde nun zurück zu den Ursprüngen des szenischen Aktivismus und fragt sich in einer Art Reenactment, was aus den Idealen der 68er-Generation geworden ist.

"Paradise Now (1968-2018) wurde im Vorjahr in Berlin uraufgeführt und begeistert aufgenommen. Das Stück dokumentiere, so ein Kritiker, "auf erschütternde Weise das Scheitern aller Hoffnungen auf eine gerechtere Welt und Weltordnung."

Kann uns ein Roboter auf der Bühne genauso berühren wie ein Schauspieler? Dieser Frage geht die Aufführung "Uncanny Valley" ("Unheimliches Tal") von Rimini Protokoll nach. Für die Aufführung, die von 3. bis 5. Mai in Krems zu sehen ist, ließ das deutsche Performancekollektiv ein authentisches Double des Schriftsteller Thomas Melle erstellen. Der täuschend echte Roboter steht auf der Bühne, während der reale Melle via Videoprojektion die Entstehung seines technischen Doppelgängers begleitet und kommentiert. Bis in die Feinmechanik ahmt das Datenpaket schließlich den Schriftsteller nach, ist in Mimik und Gestik sogar perfekter als das Original.

Freundschaft mit R2D2

"Uncanny Valley" thematisiert eine Zukunft, in der sich Technik und Natur zunehmend durchdringen und technoide Existenzen möglicherweise Teil des Alltags werden. Sci-Fi-Filme wie "Star Wars" machen es bereits vor: Roboter C-3PO und Droide R2D2 gehören dort längst zum beliebten Figurenarsenal.