Ilona Revolskaya in der Rolle der Cunegonde. - © Herwig Prammer
Ilona Revolskaya in der Rolle der Cunegonde. - © Herwig Prammer

Internet, Smartphones, Kameras: Wir leben in einer Zeit digitaler Omnipräsenz, medialer Überwachung und permanenter Selbstinszenierung. Doch was ist dabei noch echt und was bloße Projektion? Darauf suchte Regisseur Christoph Zauner in seiner Inszenierung von Leonard Bernsteins comic operetta "Candide" eine Antwort in Form einer Reise durch die Medienwelt. Mit dem Einbezug des gesamten Theaters durch Kamera-Live-Übertragungen aus dem Zuschauersaal, dem Backstage-Bereich und den Treppenaufgängen, zahlreichen szenischen Details und der durchdachten Verwendung einzelner Requisiten gelang ihm am Dienstagabend in der Wiener Kammeroper eine stringent konzipierte, unterhaltsame und spannungsvolle Premiere.

Das junge Ensemble beeindruckte durchweg mit elanvollem Spiel, wobei sich Tenor Johannes Bamberger (Candide) mit weichem und feinfühligem Stimmklang hervorhob, der wunderbar mit Ilona Revolskayas (Cunegonde) klarem Sopran verschmolz, die insbesondere in den Spitzentönen mit gleichmäßigem Vibrato und erstklassiger Intonation brillierte. In den Nebenrollen überzeugten Tatiana Kuryatnikova (Old Lady) mit komödiantischem Spiel und vollem Stimmklang sowie Kristján Jóhannesson, der hingebungsvoll in verschiedene Rollen schlüpfte. David Wurawa (Voltaire) mit eindrucksvoller Bühnenpräsenz, Aleksandra Szmyd (Paquette) mit reinem Klang, der stimmlich voluminöse Dumitru Madarasan (Dr. Pangloss) und der vielseitige, akkurat prononcierende Botond Odor vervollständigten das Ensemble.

Dirigent Benjamin Bayl leitete das Wiener KammerOrchester mit klaren Gesten und entlockte dem oft kammermusikalisch agierenden Klangkörper energiegeladene und klangvolle Töne. Auch die Kommunikation zwischen Orchester und Ensemble funktionierte meist tadellos.