Nina Blum, Zeno Stanek und Stephan Rabl mischen das Waldviertel auf. Die Herangehensweise dazu mag grundverschieden sein, in einem sind sich diese Theatermacher jedoch einig: Sommertheater ist mehr als nur Theater. Für Nina Blum, Intendantin der "Sommernachtskomödie Rosenburg", hat es etwa mit Lebenskultur zu tun: "Sich amüsieren, guten Wein trinken, Zeit mit lieben Menschen verbringen. Wenn unser Publikum glücklicher heimfährt, als es gekommen ist, haben wir unseren Job gut gemacht."

Zeno Stanek wiederum möchte mit dem Dramatiker-Festival "Hin und Weg" in Litschau gleich den Begriff "Unterhaltung" neu definieren: "Unterhaltung ist weit mehr als nur Belustigung, es geht am Theater um emotionale Berührung."

Nichts weniger als "magische Momente" sucht schließlich Stephan Rabl beim interdisziplinären Festival "Szene Waldviertel" in und um Horn: "Es geht um die Energie, die etwas in Bewegung zu setzen vermag", sagt Rabl über seinen Theaterbegriff, der vom klassischen Sprechtheater denkbar weit entfernt liegt.

Lange Zeit wurde Sommertheater als ein Phänomen gegensätzlicher Pole betrachtet. Hier das Gipfeltreffen der Branchenstars und Hochkultur-Adabeis – siehe Salzburg und Bayreuth –, da biederes Bühnenlustspiel vor pittoresker Kulisse.

Das festgefahrene Schema trifft zumindest in Niederösterreich, das sommers eine Vielzahl an dezentralen Spielstätten unterhält, nur mehr bedingt zu. Im Waldviertel, in der nordöstlichsten Region des Bundeslandes, finden sich auf engem Raum unterschiedliche Angebote: vom hochkarätig besetzten Konzertangebot in Grafenegg unter Leitung des Pianisten Rudolf Buchbinders bis zur Operette auf Schloss Weitra, von der Laienbühne in Arbesbach bis zum hochprofessionellen Komödienschauspiel im Waldviertler Hoftheater reicht die Bandbreite. Zu den Unternehmungen, die sich in jüngster Zeit völlig neu orientiert haben, gehören eben Staneks Festival "Hin und Weg", Rabls "Szene Waldviertel" und Blums "Sommernachtskomödie Rosenburg". Theaterunternehmungen, in einem traditionell strukturschwachen Landwirtschaftsgebiet, das durch die direkte Nachbarschaft zum Eisernen Vorhang einst stark benachteiligt war – und sich als Tourismusregion gerade neu erfindet. "Das kulturelle Angebot gehört neben Sport, Gesundheit und Natur zu den Fundamenten der Tourismusregion Waldviertel", sagt Andreas Schwarzinger, der Geschäftsführer des Waldviertel-Tourismus im Gespräch mit dem "Wiener Journal".