Die Werk-X-Bühnenhalle kahlgeräumt als Filmstudio. Mattweiße Stoffstreifen an der Wand wie Nachbilder der blauen Mercedesfahnen mit Trauerflor im Betroffenheits- und Ratlosigkeitsstreifen "Deutschland im Herbst". Aus dieser Kollektivschöpfung 1978 blieb auch das Interview Rainer Werner Fassbinders mit seiner Mutter in Erinnerung. Deren Rezept gegen die durch den RAF-Terror ausgelöste Staatskrise warnte die selbsternannten Befreier aus der Knechtschaft des Kapitals, wie fern sie von den Massen agieren: "Das Beste wäre so ein autoritärer Herrscher, der ganz gut ist und ganz lieb und artig."

Nicht nur Regisseur und Autor Falk Richter, im Herbst 2015 in der Berliner Schaubühne mit "Fear" gegen die AfD groß in Fahrt, sah nach den Kölner Silvesternachtskrawallen den Rechtsradikalismus weiter wachsen. In seinem "Je suis Fassbinder" prallen die Kampftiraden der Flüchtlingshasser und Flüchtlingsversteher im Wackelaggregat einer Spontanfilmproduktion wie 1978 aufeinander. Klar die linke Linie. Doch Gegenmeinungen und vornehmlich weibliche Lebenswirklichkeiten sind als Korrektive zugelassen. Die Regisseurin Amina Gusner widersteht der Versuchung eins Remakes auf Österreichisch. In ihrem Theater auf dem Theater erinnert Martin Hemmer als "Regisseur", wie doch jeder RWF-Film auch eine multiple Liebesaffäre war. Mit Lisa Weidenmüller, Annette Isabella Holzmann, Christoph Griesser und – ein Kraftkerl! – Arthur Werner marschiert er im proletarischen Stampfchor. Zuletzt wärmen sich alle im Kuschelknäuel. Zärtliches, redliches, selbstverliebtes Polittheater.