Der Untertitel von Mary Shelley 1818 erschienenen Roman "Frankenstein" lautet "Der moderne Prometheus". Diesen kaum bekannten Umstand nimmt Theater-der-Jugend-Dramaturg Clemens Pötsch zum Ausgangspunkt für eine sehr freihändige, gleichwohl stimmige Bearbeitung des altbekannten Stoffes.

In Pötschs Fassung ist Frankenstein kein aus Leichenteilen montiertes Monster, sondern ein Humanoide, ein Wesen von künstlicher Intelligenz, das ein wenig außer Kontrolle gerät. Stefan Rosenthal verkörpert diesen Prometheus des 21. Jahrhunderts, von seinem Schöpfer "Prototyp Alpha" genannt, mit Grandezza.

Das Stück ist folgerichtig nicht im 19. Jahrhundert, sondern im Jahr 2065 angesiedelt. Endzeitstimmung sowie Bühnenausstattung von Andreas Lungenschmid erinnern an dystopische TV-Serien wie "Der Report der Magd". Prototyp Alpha setzt seine enormen Kräfte, er kann mit Computern kommunizieren, schließlich für den Widerstand ein.

Felix Metzner gelingt mit seinem Rebie-Debüt in der Jugendtheater-Spielstätte Theater im Zentrum eine kraftvolle Umsetzung für ein Publikum ab elf Jahren. Zwei Stunden Spannung.