Ob der Brand von London (1666) oder die Pest (1665 bis 1666) zur damaligen Zeit mit rund 100.000 Todesopfern: Samuel Pepys (1633 bis 1703), ein Abgeordneter des englischen Unterhauses, war dabei. Seinen Tagebüchern, in denen er neben offiziellen Ereignissen auch persönliche Ansichten festhielt, ist es zu verdanken, dass wir diese Gedanken mehr als 300 Jahre später nachlesen können. Für den Musiker Manfred Engelmayr beispielsweise, der gemeinsam mit Christoph Grissemann Auszüge der Tagebücher in der "Die Samuel Pepys Show" präsentiert, ist es ein faszinierender Einblick in eine Zeit, wie man ihn im normalen Geschichtsunterricht nicht erhält.

Christoph Grissemann, der durch seinen lieben Freund Fritz Ostermayer auf die Bücher aufmerksam wurde, wie er der Wochenzeitung "Falter" verriet, und den die Dimension dieser Dokumente fasziniert, zitiert da zum Beispiel aus den Tagebüchern des manischen Engländers Samuel Pepys: "Eine Frau erst zu schwängern und sie anschließend zu heiraten ist so, als würde man in seinen Hut scheißen und ihn dann aufsetzen." Offensichtlich mochte Samuel Pepys keine Kinder. Freilich gibt die Auswahl der Zitate keine Antwort darüber, weshalb Samuel Pepys Sätze wie diesen in sein Tagebuch schrieb. Fest steht aber: Der Abgeordnete, der mit einer gewissen Elisabeth verheiratet war, stellte jeglichen anderen Frauen nach. In der Kirche etwa beobachtet der Tagebuchautor das weibliche Geschlecht mit einem Fernglas und nähert sich ihm auch sonst ungeniert. Seine Frauengeschichten bringen sogar seine Ehe ins Wanken.

Seine Niederschrift erscheint zwar oft sonderbar, manches ist aber durchaus nachvollziehbar, etwa dann, wenn er seine Perücke ungenutzt lässt, aus Angst davor, dass die darin verarbeiteten Haare von einer Pestleiche stammen könnten. Einmal ehrlich, wer würde sich tatsächlich in Anbetracht der Umstände (Pest in London) eine Echthaarperücke aufsetzen? Der Teil, den die Besucher im Wiener Kabarett Niedermair über Samuel Pepys erfahren, ist in jedem Fall bizarr, es ist in jedem Fall komisch, und es ist in jedem Fall ernst. Denn Samuel Pepys ist kein Sympathieträger heute und auch damals nicht. In altertümlichem Gewand und mit Langhaarperücken stehen Christoph Grissemann und Manfred Engelmayr auf der Bühne. Der Musiker sorgt mit einer präparierten E-Gitarre und weiteren Hilfsmitteln für den passenden Background-Sound – einem Hörbuch gleichend. Die Zeit vergeht wie im Flug (zugegeben, es gibt keine Pause und keine Zugabe). Vor und nach der Lesung gab es für das Duo tosenden Applaus. Der Abend bleibt in Erinnerung.