Zu Beginn des 2017 uraufgeführten Stückes "Ensaio para uma Cartografia" des portugiesischen Theaterlabors Casa Conviente, das diese Woche im Rahmen der Wiener Festwochen in der Halle G gastiert, stehen 12 Frauen auf der leeren Bühne. Sie tragen sommerliche Alltagskleidung und halten ihre Streichinstrumente fast salopp in den Händen. Ein scheinbar fröhliches Orchester, das sich hier im Halbdunkel versammelt hat, während Regisseurin Mónica Calle das Publikum begrüßt und in den Abend einführt. Es gehe um das Scheitern, um Individualität, um Gemeinschaft. Entstanden sei das Stück in einer Zeit der Krise, persönlich wie künstlerisch.

Calle stellt in ihrem choreografischen Versuch über die Widerständigkeit des weiblichen Körpers diesen großen Orchesterwerken gegenüber, von denen in historischen Toneinspielungen Probenausschnitte zu hören sind. Die Maestros erzählen auf Deutsch, Italienisch und Englisch von der Zurichtung der Instrumente und der Banalität des Mittelmaßes.

"Es ist so einfach, ein mediokrer Musiker zu sein", heißt es an einer Stelle dieses intensiven Abends, an dem die Darstellerinnen bis an die Grenzen ihrer physischen Möglichkeiten gehen. Und weit darüber hinaus. Wenn sie kurz zur Ruhe kommen und still und für sich im Raum stehen, während die Dirigenten ihre Anweisungen an "die Herrn" geben, in Spitzenschuhen das ihren Körpern Unmögliche entreißen und gegen Ende ihre Instrumente zur tönenden Verweigerung anstimmen, erreicht Calles gewaltiger 120-minütiger Essay Momente von existenzieller Schönheit.