Am Anfang steckt Winnie in Samuel Becketts Stück "Glückliche Tage" bis zur Taille in einem Erdhaufen fest.

In Sabine Mittereckers Inszenierung in der Innenstadt-Galerie Elisabeth und Klaus Thoman, wird aus dem erdigen Gefängnis ein fragil-luftiges Drahtgeflecht, das an einen Reifrock erinnert, und der Schauspielerin Alexandra Sommerfeld erstaunlich viel Bewegungsspielraum ermöglicht.

Später steckt Winnie bis zum Hals im Erdloch fest, während Sommerfeld bloß die Arme ins Drahtgerüst steckt und nicht mehr herauszieht. Das zeichnet Mittereckers Regiekunst aus: Sie vermag mit einfachen Mitteln große Wirkung zu erzielen. Sommerfeld, das Epizentrum des rund 90-minütigen Theaterabends, füllt die Rolle übrigens mit Grandezza, was sich von ihrem Bühnenpartner Günter Rainer nicht gleichermaßen behaupten lässt.

"Glückliche Tage" (1961) ist ein Meilenstein moderner Dramatik. Das Stück hat nicht ein Staubkorn angesetzt, es ist von zeit- und grenzenloser Wahrhaftigkeit. Wie Winnie hilflos und unbeweglich über das schreckliche Wunder am Leben zu sein palavert, rückt einem zu Leibe. Es ist Mittereckers Verdienst, dieses selten gespielte Bühnenjuwel wieder auf den Spielplan gehievt zu haben.

"For God’s sake, don’t act", so korrigierte Autor Beckett in seinen Regiearbeiten stets die Akteure. Mitterecker versucht offensichtlich, diese Weisung zu befolgen, was im Lauf der Aufführung dann doch zu einigen Leerläufen führt. Mitunter erinnert das ganze Unternehmen mehr an ein Hör- denn ein Schauspiel.