Vor allem am Flügel überzeugt Roman Seeliger sein Publikum. - © www.pianistwien.at
Vor allem am Flügel überzeugt Roman Seeliger sein Publikum. - © www.pianistwien.at

Roman Seeliger führt eine Art Doppelleben: tagsüber Statistikreferatsleiter in der Wirtschaftskammer, abends Klavierkabarettist. Dass er zweitere Rolle so selten auslebt, ist eigentlich schade, wenn man bedenkt, wie viel Mühe und Liebe zum Detail in seinen Texten steckt. Das Ergebnis ist sehr leicht (aber nicht seicht) und fast lieblich und lebt vor allem von Wortspielen mit prominenten Namen. Denn im aktuellen Programm will Seeliger unbedingt in die "Seidenblicke" kommen.

Zu Hilfe kommen ihm dabei drei alte Bekannte: die hundertjährigen Damen Doyenne, Ilka und Gerda, die er schon in seinen vorangegangenen Programmen etabliert hat. Diesmal allerdings setzt Seeliger die Figuren sehr sparsam ein und schlüpft stattdessen in diverse andere Persiflage-Rollen, die man jeweils auf Anhieb erkennt. Es ist eine sanfte, aber durchaus unterhaltsame Abrechnung mit der Bussi-Bussi-Promiszene, aber auch die Smartphonisierung der Gesellschaft wird thematisiert.

Tolle Leistung am Flügel

Seeliger macht sich auch ganz generell über manche Fehler seiner Landsleute lustig und zieht verschiedene Trends durch den Kakao. Das alles mit einem so unschuldigen Lächeln im Gesicht, dass ihm wahrscheinlich sogar eingefleischte Feminist seine Polemik gegen des Gendern verzeihen würden. Wirklich ins Herz schließen dürften ihn Schulkinder, denen er in einer freilich pädagogisch etwas fragwürdigen Argumentationskette Unbestechlichkeit attestiert.

Womit er sein Publikum aber vor allem überzeugt, das ist seine Leistung als Pianist. Am Flügel spielt er nicht nur Eigenkompositionen, sondern variiert auch bekannte Werke, die er mit einer Lockerheit vor sich hin klimpert, dass man ihm einfach gerne zuhört. Da sieht man auch gerne über die Flachheit mancher Pointen hinweg. Es ist ein leichter, netter Klavierhumorabend.•