Bruder und Schwester treffen sich jedes Jahr einmal, um des toten Vaters zu gedenken. Welches Lied er immer gesungen hat und ob auf Chinesisch, Japanisch oder Thai - die Erinnerungen sind Versuche einer Annäherung. An den Vater und aneinander. Mit "This Song Father Used to Sing (Three Days in May)" gastiert eine 2015 in Bangkok uraufgeführte Produktion von Wichaya Artamat (Text und Regie) noch bis 23. Mai bei den Wiener Festwochen im Theater Nestroyhof Hamakom.

Das knapp zweistündige Kammerspiel vermutet den Todestag mit zwei Zeitsprüngen einmal am 17., dann am 19. und schließlich am 22. Mai. Drei Daten mit vehement politischer Bedeutung für die neuere thailändische Geschichte. Die Intimität der Zänkereien und Nachlässigkeiten zwischen Bruder und Schwester bleibt davon unberührt. Jaturachai Srichanwanpen und Parnrut Kritchanchai sprechen über gemeinsame Lebenszeit, ohne es je auszuerzählen. Die Bühne stellt eine Wohnung mit Kochnische und Ausblick auf die Stadt vor. Durch das Fenster sehen wir Züge vorbei rasen, vorne ein Foto des Verstorbenen. Zeit vergeht. Srichanwanpen und Kritchanchai trinken Bier, falten Papier, schniefen, kratzen sich.

Das ruhige Tempo der Inszenierung schärft die Sinne für die Poesie des Alltäglichen. Reis wird gekocht, Reis wird gegessen. Große Kitsch-Momente mit Disco-Kugel und Musikvideos sowie selbstreferentieller, besser gesagt übertitel-referentieller Sprachwitz brechen überraschend in die Dialoge ein. Ein sanftmütiger Versuch über die Möglichkeit erinnernd zu gedenken, über das Verhältnis von politisch zu privat.•