Anna Netrebko und Luca Salsi. - © Andrea Chenier/STOP
Anna Netrebko und Luca Salsi. - © Andrea Chenier/STOP

Die Liebesszene im zweiten Akt: Maddalena und Andrea treffen einander endlich wieder, dabei stellt sich heraus, dass die geheimen Briefe an den Poeten von ihr stammen. Anna Netrebko hat diese Verliebte in Umberto Giordanos "Andrea Chénier" nun erstmals an der Wiener Staatsoper verkörpert, und wie sie diese Szene sang und gestaltete, war einfach atemberaubend. Fokussiert und mit dunkelsamtiger Fülle strömte ihre Stimme.

Der erste Akt bot noch nicht die Möglichkeit zu großer Entfaltung. Zu viele Massenszenen tummeln sich auf der Bühne, auch wenn die stets aktiv spielende Netrebko hervorstach. Im dritten Akt schließlich das bekannte "La mamma morta", pastos, leidenschaftlich, innig. Schlussendlich bestieg Maddalena den Karren in den Tod mit ihrer Liebe, gespielt von Yusif Eyvazov. Dessen Andrea Chénier ist ein voluminös (stellenweise forciert) und sehr geradlinig tönender Dichter, mit stählerner Höhe und starkem Willen. Das Publikum beschenkte den Tenor (ebenfalls ein Rollendebüt am Haus) mit begeistertem Applaus.

Schillernder Orchesterklang

Der Bariton im Bunde, Luca Salsi als Carlo Gérard, bot ebenfalls eine starke Leistung, intensiv und sicher. Durchwegs gut besetzt auch die kleineren Rollen (Donna Ellen als Gräfin di Coigny, Carlos Osuna als Spitzel, Virginie Verrez als Bersi). Giordanos effektvolle, plastisch schillernde Musik verfehlte ihre Wirkung und dramatische Wucht nicht. Vollmundig spielte das Staatsopernorchester unter der beherzten Leitung von Marco Armiliato auf.