Die Findungskommission für die Nachbesetzung von Volkstheater-Intendantin Anna Badora hat die Tätigkeit wieder aufgenommen. Karin Bergmann, Burgtheater-Direktorin und Mitglied der Kommission, sagte gegenüber der "Wiener Zeitung", dass eine Entscheidung bis Ende Juni gefällt werden könnte. Aus dem Büro der Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler wird das Datum nun bestätigt.

Am Beginn des Findungsverfahrens hatte Kaup-Hasler "ein Novum" angekündigt, demnach werde eine unabhängige Jury die neue Leitung nicht nur finden, sondern auch gleich bestellen. Davon rückt die Kulturstadträtin nunmehr ab. "Die Jury wird in den kommenden Wochen einen ungereihten Dreiervorschlag unterbreiten. Die Stadträtin wird dem Vorschlag zufolge und nach Rücksprache mit der Jury ihre Entscheidung treffen", heißt es dazu nun aus Kaup-Haslers Büro.

In den Statuten der Volkstheater-Privatstiftung ist indes ausdrücklich festgehalten, dass der Stiftungsvorstand, derzeit Judit Havasi, die auch der Findungskommission vorsteht, die neue Leitung bestellt. Wer entscheidet nun? "De jure die Stiftung. De facto die Stadträtin, da sie die Entscheidung auch zu verantworten hat", präzisiert der Pressesprecher der Kulturstadträtin.

Vor einigen Wochen stoppte die Jury den Findungsprozess, da ohne Subventionserhöhung keine geeignete Nachfolge gefunden werden konnte. Ein Mehrbedarf von drei Millionen Euro wurde ausgemacht, zwei bringt bekanntlich die Stadt Wien auf, den Zuschuss der fehlenden dritten Million lehnte der Bund schon vor der gegenwärtigen Krise ab. Minister Gernot Blümel (ÖVP) hatte auf die Beteiligung des Bundes an der Sanierung verwiesen.

Intendantenspekulationen

Auch die obligaten Spekulationen rund um Badoras Nachfolge gehen nun in die letzte Runde. Als aussichtsreiche Kandidatinnen wurden etwa Rita Thiele vom Schauspielhaus Hamburg genannt und die Bozener-Intendantin Irene Girkiner. Heimische Theatermacher wie Regisseur Michael Sturminger und Rabenhof-Intendant Thomas Gratzer wurden kolportiert. Ersan Mondtag, der offen zugibt, sich beworben zu haben, wäre wohl die gewagteste Entscheidung.

Läuft alles nach Plan, wird die künftige Leitung ein renoviertes Volkstheater im Spätherbst 2020 eröffnen.