Karin Bergmann, 65, war die erste Intendantin in der langen Geschichte des Burgtheaters. 2014, am Höhepunkt der Finanzkrise, übernahm sie die Direktion für fünf Jahre. Ab Herbst leitet Martin Kušej das Burgtheater.

"Wiener Zeitung": Ihre letzte Spielzeit als Intendantin neigt sich dem Ende zu. Wie schwer fällt Ihnen der Abschied vom Burgtheater, mit dem sie seit 1986 mit wenigen Unterbrechungen verbunden sind?

Karin Bergmann: Ich habe ja schon zwei Mal Abschied genommen und war mir jedes Mal sehr sicher, dass das endgültig sei. Ich will nicht behaupten, dass ich mich darauf freue, aber ich blicke dem Ganzen positiv entgegen.

Was bringt die Zeit danach?

Ich freue mich auf ganz profane Dinge, für die ich zuletzt kaum Zeit erübrigen konnte - schwimmen gehen, natürlich lesen. Auf mich wartet ein Bücherstapel.

Ihre erste Spielzeit, in der Sie für den kurzfristig entlassenen Matthias Hartmann eingesprungen sind, stand unter dem Zeichen des Schuldenabbaus, dennoch war gerade diese Saison besonders erfolgreich. Erwächst in der Krise tatsächlich das Rettende?

Sieht so aus. Rückblickend denke ich, es muss eine einzige Überforderung gewesen sein. Anfangs hatte ich keine Vorstellung davon, wie sehr mich administrative Aufgaben absorbieren werden. Ununterbrochen ging es um die finanzielle Sanierung, eine Sitzung jagte die nächste. Parallel dazu war der Spielplan zu gestalten, es gab nur wenige Verabredungen etwa mit Wolfram Lotz und Ewald Palmetshofer, vieles musste ich neu aufsetzen und dabei feststellen, dass sich Vorläufe verändert hatten. In den ersten beiden Wochen rief ich Regisseure wie Martin Kušej, Johan Simons und Luc Perceval an, auf die Zusammenarbeit musste ich aber einige Jahre warten. Die ganze Sache war ein Abenteuer, bei dem ich viel Glück hatte, aber auch viel dafür gearbeitet habe.

Sie haben einen Schuldenberg von beinahe 20 Millionen Euro abgetragen, Ihrem Nachfolger hinterlassen Sie ein konsolidiertes Haus. Wie ist das gelungen?

Entscheidend war die hervorragende Zusammenarbeit mit dem kaufmännischen Direktor Thomas Königstorfer. Am Anfang entwickelten wir ein 100-Punkte-Programm, in dem es um sehr große Summen, aber auch um geringe Beträge ging. Es gelang uns, die gesamte Belegschaft darauf einzuschwören, an einem Strang zu ziehen, sonst wären wir chancenlos gewesen. Sämtliche Bereiche wurden nach ihrem Einsparungspotenzial durchleuchtet, Arbeitsabläufe wurden gestrafft.

Handelt es sich dabei um nachhaltige Veränderungen?

Auf jeden Fall. Der neue kaufmännische Leiter, Robert Beutler, war in den gesamten Prozess involviert, dadurch ist gewährleistet, dass es weiterhin gut funktionieren wird.