Der brennende Balken inmitten des eröffnenden Szenenbildes verfehlt seine Wirkung nicht: Josef Ernst Köpplingers Inszenierung von "Dantons Tod" ist ein echter Wurf. Ein Jahr nach der Premiere und einer Handvoll Reprisen bietet die Wiener Staatsoper Gottfried von Einems Durchbruchserfolg aus dem Jahr 1947 nach Georg Büchner wieder an.

Das Haus am Ring stemmt derzeit einen Spielplan, dem das Prädikat "beispielhaft" gebührt in Anbetracht der gebotenen Bandbreite und Besetzungsqualität. Der "Barbier" mit Juan Diego Flórez, "Chénier" mit Anna Netrebko, "Danton" mit Tomasz Konieczny. Der Wiener Wotan stülpte sich erstmals das Kostüm des Revolutionärs Georges Danton über. Eine Rolle, die der polnische Sänger auszufüllen weiß. Koniecznys kerniger Bariton, eindringlich und intensiv geführt, schlägt sich eine Schneise durch das Volk auf der Bühne (sehr gut der Chor) hinein ins Publikum. Ihm zur Seite stehen erstmalig Benjamin Bruns als Camille und Michael Laurenz als Hérault. In ihrer klaren Diktion und Präsenz stehen sie dem überzeugenden Robespierre von Thomas Ebenstein in nichts nach. Die Angst der Lucile, verkörpert von Olga Bezsmertna, ist bis in die hinteren Reihen spürbar. Berührend ihr Schnitter-Lied zum Schluss.

Bahnt sich seinen Weg: Tomasz Konieczny. - © Staatsoper/Pöhn
Bahnt sich seinen Weg: Tomasz Konieczny. - © Staatsoper/Pöhn

Die gesamte Besetzung, von der Hauptrolle bis zum kleineren Auftritt (Lydia Rathkolb als sich wild wehrendes Weib und Wolfgang Bankl), ging mit einer gewaltigen Portion Einsatz und Umsetzungswillen ans Werk. Selbiges galt auch für das Orchester der Wiener Staatsoper (hervorragend: Klarinette!) unter der Leitung von Michael Boder. Beklemmende, aufwühlende eineinhalb Stunden.