"Wiener Zeitung":Sie sind seit einem Jahr Kulturstadträtin. Wie haben Sie sich eingelebt?

Veronica Kaup-Hasler:Es ist viel aufregender, als ich es mir je hätte vorstellen können. In diesem ersten Jahr war ich viel mit der Analyse der kulturellen Landschaft und verwaltungstechnischen Abläufen beschäftigt. Das war notwendig, um zu verstehen, wo es krankt und was es braucht.

Und wie lautet Ihr Befund?

In der Wiener Kulturlandschaft sind durch die Sparpolitik der vergangenen 20 Jahre massive Unterdotierungen entstanden. Viele Kultureinrichtungen wahren zwar noch den Schein, große qualitative Sprünge sind unter diesen Bedingungen aber nicht zu erwarten.

Die Unterfinanzierung resultiert auch daraus, dass Subventionen nicht an kollektivvertragliche Erhöhungen gebunden sind. Was haben Sie also vor?

Wien ist in den vergangenen Jahren etwa um die Größe von Graz angewachsen und wird weiterwachsen. Kulturangebot und Kulturbudget müssen mit dieser Entwicklung Schritt halten - und ebenfalls steigen. Mein erklärtes Ziel ist es, die Basissubventionen an die kollektivvertraglichen Erhöhungen anzubinden, eine in Deutschland längst gängige Praxis.

Das käme einem Erdrutsch in der Fördervergabe gleich. Wie aussichtsreich ist Ihr Vorhaben?

Es ist ein Zukunftsprojekt. Politik ist das langsame Bohren harter Bretter, was ich mit Leidenschaft und Augenmaß betreibe. Im Augenblick bin ich damit beschäftigt, ein Bewusstsein für dieses Problem zu schaffen.

Eine Ihrer drängendsten Baustellen ist die Neuausrichtung des Volkstheaters. Jüngst wurde der Findungsprozess gestoppt, da ohne Subventionserhöhung keine geeignete Nachfolge für Intendantin Anna Badora gefunden werden konnte. Ein Mehrbedarf von drei Millionen Euro wurde ausgemacht, wobei zwei Millionen Euro die Stadt bezuschusst hätte. Der Bund lehnte zugleich jede finanzielle Beteiligung ab. Wie geht es nun weiter?

Die Budgetaufstockung der Stadt Wien ist klares Bekenntnis zum Volkstheater. Zwei Millionen machen natürlich auch einen Unterschied. Jetzt setzen wir den Findungsprozess fort, vor dem Sommer sollte die neue Leitung feststehen. Der Beginn der Intendanz ist abhängig vom Verlauf der Sanierung.

Planmäßig sollte der Umbau des Volkstheaters bis Oktober 2020 abgeschlossen sein.

Ich werde hier jetzt sicher kein Datum für die Wiedereröffnung des Hauses nennen. Bekanntlich können sich bei Bauvorhaben dieser Größenordnung Termine verschieben. Die weitere Vorgangsweise muss mit der künftigen Leitung abgesprochen werden. Mir geht es darum, dass bei dem Prozess nichts über den Zaun gebrochen wird.